Auwälder
Die Regenwälder Mitteleuropas
 
 
Der Wechsel zwischen Überschwemmung und Trockenfallen an den Ufern von Flüssen und Seen lässt Wälder mit einer großen Artenvielfalt entstehen – Auwälder. Allerdings wurde der Großteil dieser Wälder in den vergangenen Jahrhunderten Opfer der Flussregulierungen, der Rodungen für Landwirtschaft und Industrie. Und in noch erhaltenen Auwälder ist der Wasserhaushalt vielerorts gestört. In Mitteleuropa zählen intakte Auwälder daher zu den besonders bedrohten Lebensräumen.
 
 
Was kennzeichnet Auwälder?
 
Auwälder sind durch mehr oder weniger regelmäßige Überflutungen geprägt, die Schlick, Sand, Geschiebe und auch Nährstoffe eintragen. Hochwässer verändern das Relief, sie schaffen neue Abflusswege und sorgen durch ihre Dynamik für eine große Lebensraumvielfalt in der Au. Junge Sand- und Kiesbänke sind Lebensräume für Pionierarten und Initialstadien der Auwaldentwicklung.
Im Gegensatz zu Auwäldern wachsen Bruchwälder auf ständig nassen Standorten, deren Wasserstand nur geringe Schwankungen aufweist.

Entsprechend der Überschwemmungshäufigkeit und -dauer unterscheiden sich Auwälder:
 
•   Weichholzauen wachsen auf häufig überschwemmten Standorten im Nahbereich des Flusses mit starken und schnell fließenden Hochwässern. Die Bäume und Sträucher überstehen auch lange Überflutungen. Es sind dies vor allem schnell wachsende Weichhölzer, insbesondere Weiden, Erlen und Pappeln. Silberweiden, die zu mächtigen Bäumen heranwachsen können, stehen manchmal hundert oder auch zweihundert Tage im Jahr im Wasser. Auch für Seen mit stark schwankenden Wasserspiegeln – beispielsweise den Bodensee – sind Weicholzauen typisch.
 
•   Hartholzauen bilden sich auf etwas weiter vom Gewässer entfernten Standorten, die nur bei extremen Hochwässern überschwemmt werden. Der Bodenaufbau ist meist feinkörniger. Überschwemmungen bis zu fünfzig Tagen jährlich sind aber auch für Arten der Hartholzau kein Problem. Hartholzauwälder sind durch langlebige Baumarten wie Stieleiche, Esche und Ulmen geprägt. Darüber hinaus können hier aber insgesamt bis zu zwanzig Baumarten und dreißig Straucharten vorkommen.
 
 
Funktionen der Auwälder
 
•   Hochwasserschutz: Hochwässer breiten sich in Auwäldern aus und fließen dort wesentlich langsamer ab als im Flussbett. Durch diese „Schwammfunktion“ dämpfen Auwälder die Hochwasserspitzen.
 
•   Trinkwasserspeicher: Das Flusswasser dotiert durch die Abflussverzögerung und die großräumige Verteilung den flussnahen Grundwasserstrom. Damit das Porensystem des Bodens nicht durch feine Flusssedimente verstopft wird, ist ein Wechsel von Hoch- und Niederwasser erforderlich.
 
•   Selbstreinigung: Mit ihrer großen Artenvielfalt und den großen Überflutungsflächen sind Auwälder eine entsprechend große biologisch aktive Oberfläche. Mikroskopisch kleine Tiere, Pflanzen, Algen und Pilze nutzen die Nährstoffe; Muscheln, Schnecken, Würmer, Insekten bzw -larven filtern das Wasser und entnehmen Phosphate und Nitrate. Kiesschichten filtern das versickernde Wasser.
 
•   Produktivität: Hartholzauen zählen zu den produktivsten Waldgesellschaften Europas, gefördert durch die Nährstoffe der Hochwässer. Niedrigwasserperioden sind jedoch für die Wurzelentwicklung wichtig.
 
•   Biodiversität: Auwälder sind wohl die artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. Pflanzen profitieren vom Wasserangebot und vom Fehlen der sonst oft dominanten Rotbuche. Am lichtdurchfluteten Waldrand finden Schlingpflanzen wie Waldrebe, Efeu oder Wilder Hopfen ideale Bedingungen. Auwälder sind Lebensräume für eine verblüffende Vielfalt an Säugetieren, Amphibien, Reptilien, Vögeln, Schmetterlingen und Käfern.
 
•   Biotopverbund: Für wandernde Tierarten sind die Wälder entlang der Fließgewässer wichtige Wanderrouten und Ausbreitungskorridore.
 
•   Erholungs- und Erlebnisraum: Auen sind Naherholungsgebiete mit hohem Erlebniswert.
 
 
Schutz der Auwälder
 
Auwälder zu schützen bedeutet:
 
•   Bestandsschutz: Noch vorhandene Auwälder sind zu erhalten. Dies gilt insbesondere für echte, dh an die Gewässerdynamik angebundene Auwaldflächen. Und auch für ehemalige, die zwar nicht mehr überschwemmt werden, in ihrer Artenzusammensetzung aber Auwäldern entsprechen. Dies bedeutet Verzicht auf die Errichtung von Infrastrukturen. Die rechtlichen Bestimmungen der meisten Länder nehmen darauf Rücksicht.
 
•   Wasserhaushalt: Natürliche Überflutungsregime sind wiederherzustellen, etwa durch Gewässeraufweitungen und Dammrückverlegungen. Auwälder werden aber nicht nur durch Hochwässer beeinflusst, sondern auch durch das Grundwasser. Auwaldschutz bedeutet deshalb auch den Erhalt eines intakten Grundwasserhaushalts mit der Sicherung hoher Grundwasserstände.
 
•   Eigendynamik fördern. Wo der erforderliche Raum dazu vorhanden ist, sollte an Gewässern eine eigendynamische Auenentwicklung toleriert werden. Hierfür sind die erforderlichen Strategien zu entwickeln, etwa durch Flächenankauf oder -tausch.
=> mehr zum Thema Renaturierung von Fließgewässern
 
•   Naturnahe Waldpflege. Auf eine naturnahe Baumartenzusammensetzung, einen hohen Alt- und Totholzanteil und eine natürliche Verjüngung ist besonderer Wert zu legen. Im Idealfall werden Auwälder daher nicht bewirtschaft. Standortfremde Forste sind in standorttypische Wälder umzuwandeln.
=> mehr zum Thema Wald und Naturschutz
 
•   Störungen minimieren: Aufgrund der hohen Artenvielfalt und der Attraktivität für Freizeit- und Erholung sind Nutzungskonflikte in Auen häufig. Besucherlenkung und -information ist daher wichtig.
=> mehr zum Thema Freizeit und Sport
 
•   Artenschutz: Primäres Ziel ist der Schutz des Lebensraums. Für manche hoch spezialisierte Art reicht das heute eingeschränkte Lebensraumpotenzial jedoch nicht mehr aus. Dies gilt insbesondere für jene Arten, die an eine hohe Landschaftsdynamik angepasst sind. Lebensraumelemente wie Autümpel für Amphibien und Libellen oder Uferabbrüche für Eisvogel oder Uferschwalben sind dann gezielt zu schaffen, um diesen Arten eine Chance zu bieten.
 
 
Unterlagen / Links
 
V. Späth (1995): Bruch-, Sumpf- und Auwälder. Biotope in Baden-Württemberg 7, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe, 33 S., Download pdf (6.372 kb)
NaturSportInfo - Uferwald: www.natursportinfo.de/14116.html
E.-M. Mößmer (2000): Wald – Wasser – Leben. Stiftung Wald in Not, Download pdf (2.141 kb)
C. Roulier, F. Teuscher & B. Wéber (1999) Bewirtschaftungskonzept für Auenwälder. Vollzug Umwelt - Empfehlungen, Bundesamt für Umwelt, Waid und Landschaft (BUWAL), Bern, 94 S., Download pdf (4.545 kb)
BUWAL (2001-2008): Auendossier – Faktenblätter, Download pdf (6.465 kb)
waldwisssen.net - Dossier Auen: www.waldwissen.net/dossiers/wsl_dossier_ auen/index_DE
J. Gill & U. Köster (1996): Auenwälder. Information zum Ökosystem. Handlungsleitfaden zur Neuanlage. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – Landesverband Hessen, Wiesbaden, 46 S.
 
 
letzte Änderung März 2012, © UMG
 
   

 
 
Auwälder
Die Regenwälder Mitteleuropas
 
Der Wechsel zwischen Überschwemmung und Trockenfallen an den Ufern von Flüssen und Seen lässt Wälder mit einer großen Artenvielfalt entstehen – Auwälder. Allerdings wurde der Großteil dieser Wälder in den vergangenen Jahrhunderten Opfer der Flussregulierungen, der Rodungen für Landwirtschaft und Industrie. Und in noch erhaltenen Auwälder ist der Wasserhaushalt vielerorts gestört. In Mitteleuropa zählen intakte Auwälder daher zu den besonders bedrohten Lebensräumen.
 
 
Was kennzeichnet Auwälder?
 
Auwälder sind durch mehr oder weniger regelmäßige Überflutungen geprägt, die Schlick, Sand, Geschiebe und auch Nährstoffe eintragen. Hochwässer verändern das Relief, sie schaffen neue Abflusswege und sorgen durch ihre Dynamik für eine große Lebensraumvielfalt in der Au. Junge Sand- und Kiesbänke sind Lebensräume für Pionierarten und Initialstadien der Auwaldentwicklung.
Im Gegensatz zu Auwäldern wachsen Bruchwälder auf ständig nassen Standorten, deren Wasserstand nur geringe Schwankungen aufweist.

Entsprechend der Überschwemmungshäufigkeit und -dauer unterscheiden sich Auwälder:
 
•   Weichholzauen wachsen auf häufig überschwemmten Standorten im Nahbereich des Flusses mit starken und schnell fließenden Hochwässern. Die Bäume und Sträucher überstehen auch lange Überflutungen. Es sind dies vor allem schnell wachsende Weichhölzer, insbesondere Weiden, Erlen und Pappeln. Silberweiden, die zu mächtigen Bäumen heranwachsen können, stehen manchmal hundert oder auch zweihundert Tage im Jahr im Wasser. Auch für Seen mit stark schwankenden Wasserspiegeln – beispielsweise den Bodensee – sind Weicholzauen typisch.
 
•   Hartholzauen bilden sich auf etwas weiter vom Gewässer entfernten Standorten, die nur bei extremen Hochwässern überschwemmt werden. Der Bodenaufbau ist meist feinkörniger. Überschwemmungen bis zu fünfzig Tagen jährlich sind aber auch für Arten der Hartholzau kein Problem. Hartholzauwälder sind durch langlebige Baumarten wie Stieleiche, Esche und Ulmen geprägt. Darüber hinaus können hier aber insgesamt bis zu zwanzig Baumarten und dreißig Straucharten vorkommen.
 
 
Funktionen der Auwälder
 
•   Hochwasserschutz: Hochwässer breiten sich in Auwäldern aus und fließen dort wesentlich langsamer ab als im Flussbett. Durch diese „Schwammfunktion“ dämpfen Auwälder die Hochwasserspitzen.
 
•   Trinkwasserspeicher: Das Flusswasser dotiert durch die Abflussverzögerung und die großräumige Verteilung den flussnahen Grundwasserstrom. Damit das Porensystem des Bodens nicht durch feine Flusssedimente verstopft wird, ist ein Wechsel von Hoch- und Niederwasser erforderlich.
 
•   Selbstreinigung: Mit ihrer großen Artenvielfalt und den großen Überflutungsflächen sind Auwälder eine entsprechend große biologisch aktive Oberfläche. Mikroskopisch kleine Tiere, Pflanzen, Algen und Pilze nutzen die Nährstoffe; Muscheln, Schnecken, Würmer, Insekten bzw -larven filtern das Wasser und entnehmen Phosphate und Nitrate. Kiesschichten filtern das versickernde Wasser.
 
•   Produktivität: Hartholzauen zählen zu den produktivsten Waldgesellschaften Europas, gefördert durch die Nährstoffe der Hochwässer. Niedrigwasserperioden sind jedoch für die Wurzelentwicklung wichtig.
 
•   Biodiversität: Auwälder sind wohl die artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. Pflanzen profitieren vom Wasserangebot und vom Fehlen der sonst oft dominanten Rotbuche. Am lichtdurchfluteten Waldrand finden Schlingpflanzen wie Waldrebe, Efeu oder Wilder Hopfen ideale Bedingungen. Auwälder sind Lebensräume für eine verblüffende Vielfalt an Säugetieren, Amphibien, Reptilien, Vögeln, Schmetterlingen und Käfern.
 
•   Biotopverbund: Für wandernde Tierarten sind die Wälder entlang der Fließgewässer wichtige Wanderrouten und Ausbreitungskorridore.
 
•   Erholungs- und Erlebnisraum: Auen sind Naherholungsgebiete mit hohem Erlebniswert.
 
 
Schutz der Auwälder
 
Auwälder zu schützen bedeutet:
 
•   Bestandsschutz: Noch vorhandene Auwälder sind zu erhalten. Dies gilt insbesondere für echte, dh an die Gewässerdynamik angebundene Auwaldflächen. Und auch für ehemalige, die zwar nicht mehr überschwemmt werden, in ihrer Artenzusammensetzung aber Auwäldern entsprechen. Dies bedeutet Verzicht auf die Errichtung von Infrastrukturen. Die rechtlichen Bestimmungen der meisten Länder nehmen darauf Rücksicht.
 
•   Wasserhaushalt: Natürliche Überflutungsregime sind wiederherzustellen, etwa durch Gewässeraufweitungen und Dammrückverlegungen. Auwälder werden aber nicht nur durch Hochwässer beeinflusst, sondern auch durch das Grundwasser. Auwaldschutz bedeutet deshalb auch den Erhalt eines intakten Grundwasserhaushalts mit der Sicherung hoher Grundwasserstände.
 
•   Eigendynamik fördern. Wo der erforderliche Raum dazu vorhanden ist, sollte an Gewässern eine eigendynamische Auenentwicklung toleriert werden. Hierfür sind die erforderlichen Strategien zu entwickeln, etwa durch Flächenankauf oder –tausch.
=> mehr zum Thema Renaturierung von Fließgewässern
 
•   Naturnahe Waldpflege. Auf eine naturnahe Baumartenzusammensetzung, einen hohen Alt- und Totholzanteil und eine natürliche Verjüngung ist besonderer Wert zu legen. Im Idealfall werden Auwälder daher nicht bewirtschaft. Standortfremde Forste sind in standorttypische Wälder umzuwandeln.
=> mehr zum Thema Wald und Naturschutz
 
•   Störungen minimieren: Aufgrund der hohen Artenvielfalt und der Attraktivität für Freizeit- und Erholung sind Nutzungskonflikte in Auen häufig. Besucherlenkung und -information ist daher wichtig.
=> mehr zum Thema Freizeit und Sport
 
•   Artenschutz: Primäres Ziel ist der Schutz des Lebensraums. Für manche hoch spezialisierte Art reicht das heute eingeschränkte Lebensraumpotenzial jedoch nicht mehr aus. Dies gilt insbesondere für jene Arten, die an eine hohe Landschaftsdynamik angepasst sind. Lebensraumelemente wie Autümpel für Amphibien und Libellen oder Uferabbrüche für Eisvogel oder Uferschwalben sind dann gezielt zu schaffen, um diesen Arten eine Chance zu bieten.
 
 
Unterlagen / Links
 
V. Späth (1995): Bruch-, Sumpf- und Auwälder. Biotope in Baden-Württemberg 7, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe, 33 S., Download pdf (6.372 kb)
NaturSportInfo - Uferwald: www.natursportinfo.de/14116.html
Download pdf (2.141 kb)
C. Roulier, F. Teuscher & B. Wéber (1999) Bewirtschaftungskonzept für Auenwälder. Vollzug Umwelt - Empfehlungen, Bundesamt für Umwelt, Waid und Landschaft (BUWAL), Bern, 94 S., Download pdf (4.545 kb)
BUWAL (2001-2008): Auendossier – Faktenblätter, Download pdf (6.465 kb)
waldwisssen.net - Dossier Auen: www.waldwissen.net/dossiers/wsl_dossier_auen/index_DE
J. Gill & U. Köster (1996): Auenwälder. Information zum Ökosystem. Handlungsleitfaden zur Neuanlage. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – Landesverband Hessen, Wiesbaden, 46 S.  
 

 


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www.naturtipps.com/auwald.html
Stand März 2012