Amphibienschutz an Straßen
Amphibienzäune
 
 
Amphibienzäune sind meist 50 cm hohe, undurchsichtige Kunststofffolien, die am Straßenrand aufgestellt werden. Beim Versuch, das Hindernis zu umwandern, fallen die Amphibien in eingegrabene Fangeimer. Der Start der Laichwanderung ist witterungsabhängig. Bei frostfreiem Boden sind nächtliche Temperaturen über 5°C in Kombination mit Regen meist Auslöser für die Wanderung.
• 
• 
• 
• 
 
 
Zaun
 
•   Als Zaunmaterial am besten geeignet sind undurchsichtige Kunststoffgewebe oder verstärkte Kunststoffbahnen. Netze und Gitter besitzen eine geringere Leitwirkung und können leicht überklettert werden.
 
•   Der Zaun sollte auf jeden Fall UV-beständig, leicht, dauerhaft, wiederverwendbar und pflegeleicht sein.
 
•   Amphibienzäune lassen sich aus glasfaserverstärkten Kunststoff-Dachbahnen (im Bauhandel erhältlich), die auf ca. 50 cm Breite zugeschnitten werden, auch selber bauen. Für die Haltestäbe können Dachlatten auf etwa 80 cm Länge gekürzt werden. Die Folie kann mit einer Decklatte auf dem Haltestab befestigt werden. Aufwändiger ist es, den Haltestab für die Folie mit einer Kreissäge zu schlitzen. Am anderen Ende werden die Haltestäbe zugespitzt, damit sie leichter in den Boden gesteckt werden können.
 
•   In Niederösterreich werden ausklappbare Schneeschutzzäune der Straßenmeisterei als Amphibienzäune eingesetzt.
 
 
Installation
 
•   Der Zaun muss so aufgebaut werden, dass weder am Boden noch zwischen den einzelnen Zaunbahnen Lücken entstehen.
 
•   Je nach Geländebeschaffenheit sind 30 bis 50 Haltestäbe pro 100 m nötig.
 
•   In offenem Gelände ist zu beachten, dass die Zäune starken Windkräften ausgesetzt sind. Der Zaun muss in jedem Fall straff gespannt sein.
 
•   Häufig wird das Zaunmaterial 10 bis 15 cm tief in den Boden eingelassen (dazu mit einem Spaten einen Schlitz vorstechen, Zaunmaterial umschlagen und mit Hilfe des Spatens in den Schlitz drücken).
 
•   Eine leichte Schrägstellung gegen die Richtung, aus der die Tiere herwandern (überhängend), erschwert ein Überklettern.
 
•   Je nach Modell sind die Zäune mit einem Überkletterschutz ausgerüstet (besonders sinnvoll bei Molchen und springaktiven Fröschen).
 
 
Fangeimer
 
Die Fangeimer müssen in einem regelmäßigen Abstand von 10 m bis maximal 30 m ebenerdig am Zaun eingegraben werden. Je besser die Leitwirkung des Zauns, desto größer kann der Abstand zwischen den Eimern sein. Wenn die Tiere den Zaun entlang laufen, müssen sie "automatisch" in die Eimer fallen. Sie sollten nicht am Zaun entlang um die Eimer herumlaufen können – gegebenenfalls kann am Zaunfuß mit einem Stein oder Erdklumpen eine Barriere errichtet werden.
 
•   Die Fangeimer sollten ein Volumen von zehn bis 15 Liter aufweisen. Rechteckige Eimer haben eine größere Kontaktfläche zum Sperrzaun als runde Eimer und funktionieren deshalb besser.
 
•   Meist werden die Eimer mit Löchern (Durchmesser maximal 5 mm) versehen, um Regenwasser abzuleiten. Nur bei hoch anstehendem Grundwasser sind Eimer ohne Löcher erforderlich, die mit Erdnägeln im Boden gegen den Auftrieb befestigt werden.
 
•   Eine Hand voll Laub und ein feuchter Schwamm am Eimerboden verhindern ein Austrocknen der Tiere.
 
•   An einem dünnen Stab oder Ast, der über den Eimerrand reicht, können in die Eimer gefallene Mäuse, aber auch andere Tiere (zB Käfer) heraus klettern.
 
•   Ein Abdeckschutz, etwa eine weitmaschige Gitterabdeckung der Eimer durch ein Baustahlgitter, schützt die gefangenen Amphibien vor größeren Raubsäugern (Fuchs, Iltis).
=>  Probleme mit Prädatoren am Amphibienschutzzaun (Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin, pdf 549 kb)
 
 
Betreuung des Amphibienzauns
 
•   So lange der Zaun steht, müssen die Eimer regelmäßig kontrolliert werden (mindestens 1 x pro Tag, am besten morgens). Besser sind mehrere Kontrollen, vor allem auch am Abend. Bei warmem Wetter besteht die Gefahr, dass die Tiere in den Eimern vertrocknen, bei plötzlichem Frost können die Tiere auch erfrieren!
 
•   Die gefangenen Tiere möglichst auf gleicher Höhe auf der anderen Seite ein kleines Stück abseits der Straße (etwa 50 m) in Wanderrichtung wieder freilassen.
 
•   Zur eigenen Sicherheit sollten Warnwesten getragen und Warnzeichen für Autofahrer aufgestellt werden. Im Idealfall wird während der Laichwanderung eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h eingeführt.
 
•   Bei den meisten Zäunen wird nur die Hinwanderung, nicht jedoch die Rückwanderung erfasst. Deshalb muss der Zaun, sobald die Wanderung zum Laichgewässer vorbei ist, wieder abgebaut werden, damit den Tieren der Rückweg nicht versperrt wird und sie auf der Straße "gefangen" sind.
 
•   Fix eingebaute Fangbehälter müssen nach Abbau des Zauns unbedingt abgedeckt werden, ansonsten werden sie zur Todesfalle für verschiedenste Tiere! Das gilt auch für die Löcher an den Stellen, wo die Fangeimer eingegraben waren. Auch diese wieder zuschütten!
 
•   Amphibienkrankheiten wie die Chytridiomykose werden zu einer immer größeren Bedrohung für Amphibien - auch in Mitteleuropa. An Amphibienzäunen sind deshalb entsprechende Vorsichtsmaßnahmen wichtig, um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern. Insbesondere, wenn mehrere Zäune betreut werden, sollten Gummistiefel und Gerätschaften desinfizieren werden. Niemals dürfen Amphibien und andere Wasserorganismen von Teich zu Teich verschleppt werden.
=>  Chytridiomykose - Eine gefährliche Pilzerkrankung der Amphibien (karch): www.karch.ch/karch/de/home/amphibien/chytridiomykose.html
 
Amphibienzaunzählergebnisse liefern wertvolle Informationen zur Bestandsentwicklung von Amphibienpopulationen. Ein Zählformular kann auf www.herpetofauna.net heruntergeladen werden.
 
 
letzte Änderung Jänner 2011, © UMG
 
   

 
 
Amphibienschutz an Straßen
Amphibienzäune
 
Amphibienzäune sind meist 50 cm hohe, undurchsichtige Kunststofffolien, die am Straßenrand aufgestellt werden. Beim Versuch, das Hindernis zu umwandern, fallen die Amphibien in eingegrabene Fangeimer. Der Start der Laichwanderung ist witterungsabhängig. Bei frostfreiem Boden sind nächtliche Temperaturen über 5°C in Kombination mit Regen meist Auslöser für die Wanderung.
 
 
Zaun
 
•   Als Zaunmaterial am besten geeignet sind undurchsichtige Kunststoffgewebe oder verstärkte Kunststoffbahnen. Netze und Gitter besitzen eine geringere Leitwirkung und können leicht überklettert werden.
 
•   Der Zaun sollte auf jeden Fall UV-beständig, leicht, dauerhaft, wiederverwendbar und pflegeleicht sein.
 
•   Amphibienzäune lassen sich aus glasfaserverstärkten Kunststoff-Dachbahnen (im Bauhandel erhältlich), die auf ca. 50 cm Breite zugeschnitten werden, auch selber bauen. Für die Haltestäbe können Dachlatten auf etwa 80 cm Länge gekürzt werden. Die Folie kann mit einer Decklatte auf dem Haltestab befestigt werden. Aufwändiger ist es, den Haltestab für die Folie mit einer Kreissäge zu schlitzen. Am anderen Ende werden die Haltestäbe zugespitzt, damit sie leichter in den Boden gesteckt werden können.
 
•   In Niederösterreich werden ausklappbare Schneeschutzzäune der Straßenmeisterei als Amphibienzäune eingesetzt.
 
 
Installation
 
•   Der Zaun muss so aufgebaut werden, dass weder am Boden noch zwischen den einzelnen Zaunbahnen Lücken entstehen.
 
•   Je nach Geländebeschaffenheit sind 30 bis 50 Haltestäbe pro 100 m nötig.
 
•   In offenem Gelände ist zu beachten, dass die Zäune starken Windkräften ausgesetzt sind. Der Zaun muss in jedem Fall straff gespannt sein.
 
•   Häufig wird das Zaunmaterial 10 bis 15 cm tief in den Boden eingelassen (dazu mit einem Spaten einen Schlitz vorstechen, Zaunmaterial umschlagen und mit Hilfe des Spatens in den Schlitz drücken).
 
•   Eine leichte Schrägstellung gegen die Richtung, aus der die Tiere herwandern (überhängend), erschwert ein Überklettern.
 
•   Je nach Modell sind die Zäune mit einem Überkletterschutz ausgerüstet (besonders sinnvoll bei Molchen und springaktiven Fröschen).
 
 
Fangeimer
 
Die Fangeimer müssen in einem regelmäßigen Abstand von 10 m bis maximal 30 m ebenerdig am Zaun eingegraben werden. Je besser die Leitwirkung des Zauns, desto größer kann der Abstand zwischen den Eimern sein. Wenn die Tiere den Zaun entlang laufen, müssen sie "automatisch" in die Eimer fallen. Sie sollten nicht am Zaun entlang um die Eimer herumlaufen können – gegebenenfalls kann am Zaunfuß mit einem Stein oder Erdklumpen eine Barriere errichtet werden.
 
•   Die Fangeimer sollten ein Volumen von zehn bis 15 Liter aufweisen. Rechteckige Eimer haben eine größere Kontaktfläche zum Sperrzaun als runde Eimer und funktionieren deshalb besser.
 
•   Meist werden die Eimer mit Löchern (Durchmesser maximal 5 mm) versehen, um Regenwasser abzuleiten. Nur bei hoch anstehendem Grundwasser sind Eimer ohne Löcher erforderlich, die mit Erdnägeln im Boden gegen den Auftrieb befestigt werden.
 
•   Eine Hand voll Laub und ein feuchter Schwamm am Eimerboden verhindern ein Austrocknen der Tiere.
 
•   An einem dünnen Stab oder Ast, der über den Eimerrand reicht, können in die Eimer gefallene Mäuse, aber auch andere Tiere (zB Käfer) heraus klettern.
 
•   Ein Abdeckschutz, etwa eine weitmaschige Gitterabdeckung der Eimer durch ein Baustahlgitter, schützt die gefangenen Amphibien vor größeren Raubsäugern (Fuchs, Iltis).
=>  Probleme mit Prädatoren am Amphibienschutzzaun (Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin, pdf 549 kb)
 
 
Betreuung des Amphibienzauns
 
•   So lange der Zaun steht, müssen die Eimer regelmäßig kontrolliert werden (mindestens 1 x pro Tag, am besten morgens). Besser sind mehrere Kontrollen, vor allem auch am Abend. Bei warmem Wetter besteht die Gefahr, dass die Tiere in den Eimern vertrocknen, bei plötzlichem Frost können die Tiere auch erfrieren!
 
•   Die gefangenen Tiere möglichst auf gleicher Höhe auf der anderen Seite ein kleines Stück abseits der Straße (etwa 50 m) in Wanderrichtung wieder freilassen.
 
•   Zur eigenen Sicherheit sollten Warnwesten getragen und Warnzeichen für Autofahrer aufgestellt werden. Im Idealfall wird während der Laichwanderung eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h eingeführt.
 
•   Bei den meisten Zäunen wird nur die Hinwanderung, nicht jedoch die Rückwanderung erfasst. Deshalb muss der Zaun, sobald die Wanderung zum Laichgewässer vorbei ist, wieder abgebaut werden, damit den Tieren der Rückweg nicht versperrt wird und sie auf der Straße "gefangen" sind.
 
•   Fix eingebaute Fangbehälter müssen nach Abbau des Zauns unbedingt abgedeckt werden, ansonsten werden sie zur Todesfalle für verschiedenste Tiere! Das gilt auch für die Löcher an den Stellen, wo die Fangeimer eingegraben waren. Auch diese wieder zuschütten!
 
•   Amphibienkrankheiten wie die Chytridiomykose werden zu einer immer größeren Bedrohung für Amphibien - auch in Mitteleuropa. An Amphibienzäunen sind deshalb entsprechende Vorsichtsmaßnahmen wichtig, um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern. Insbesondere, wenn mehrere Zäune betreut werden, sollten Gummistiefel und Gerätschaften desinfizieren werden. Niemals dürfen Amphibien und andere Wasserorganismen von Teich zu Teich verschleppt werden.
=>  Chytridiomykose - Eine gefährliche Pilzerkrankung der Amphibien (karch): www.karch.ch/karch/de/home/amphibien/chytridiomykose.html
 
Amphibienzaunzählergebnisse liefern wertvolle Informationen zur Bestandsentwicklung von Amphibienpopulationen. Ein Zählformular kann auf www.herpetofauna.net heruntergeladen werden.  
 

 


UMG Umweltbüro Grabher | Meinradgasse 3, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 65564 | F +43 (0)5574 655644
office@umg.at | www.umg.at  
 
www.naturtipps.com/amphibienschutz_strasse/amphibienzaun.html
Stand Jänner 2011