Entwässerungsgräben
Naturnahe Pflege fördert die Artenvielfalt
 
 
Gräben sind künstliche Gewässer, die zur Regulierung des Wasserhaushalts geschaffen wurden. Einerseits verursachen sie ökologische Probleme, wenn sie den Wasserhaushalt in sensiblen Feuchtgebieten verändern oder durch steile Böschungen zu Tierfallen werden. Andererseits können sich naturnahe Gräben zu wertvollen Landschaftsstrukturen mit vielfältigen ökologischen Funktionen entwickeln.
In intensiv genutzten Landschaften sind Gräben oft die letzten Rückzugsgebiete für Wildtiere, die hier Nahrung, Versteckmöglichkeiten, Brut-, Nist-, Laich- und Überwinterungsplätze finden. Als lineare Elemente kommt ihnen auch eine besondere Funktion im Biotopverbund zu; Gräben dienen als Ausbreitungswege für viele Tiere und Pflanzen.
Zur Erhaltung müssen Gräben gepflegt werden. Die Art der Grabenpflege beeinflusst dabei ganz entscheidend die Artenvielfalt.
 
 
Gräben zu artenreichen Landschaftselementen entwickeln
 
•   Ausreichend große Pufferzone zu intensiv genutzten Flächen einhalten, um Nähr- und Schadstoffeinträge in das Grabensystem zu verhindern.
 
•   Flache Böschungen gestalten. Gräben mit steilen Grabenböschungen können zu Fallen für Tiere werden – in denen viele Arten umkommen. Ganz besonders sind Jungtiere gefährdet. Das Abflachen der Grabenböschungen entschärft die Fallenwirkung und steigert den ökologischen Wert.
 
•   Gräben schonend und idealerweise nur abschnittsweise pflegen (maximal 50 m bzw ein Drittel der Grabenlänge).
 
•   Verzicht auf Grabenfräsen – für die Tier- und Pflanzenwelt ist ihr Einsatz katastrophal. Sie zerstören nicht nur die Vegetation und töten zahlreiche Tiere, sondern beseitigen auch sämtliche Kleinstrukturen. Es dauert lange, bis sich die Tier und Pflanzenwelt wieder erholt.
 
•   Durch Grabenaufstau kann der Wasserhaushalt von Feuchtgebieten verbessert und können ausgetrocknete Flächen wieder vernässt werden. Umgekehrt kann Grabenöffnung zum Absinken des Grundwasserspiegels führen – daher Vorsicht!
=> mehr zum Thema Wiedervernässung
 
•   Pflegemaßnahmen an die Vorkommen gefährdeter und besonders schützenswerter Tier- und Pflanzenarten anpassen.
=> mehr zum Thema Naturnahe Pflegemaßnahmen
 
 
Ökologisch optimale Grabenpflege
 
•   Grabenräumung zum Beseitigen von Ablagerungen im Graben
=>  Auf ein Mindestmaß beschränken (nicht öfters als alle fünf Jahre), möglichst punktuell und abschnittsweise eingreifen. Einseitiges oder schachbrettartiges Vorgehen erleichtert die Wiederbesiedlung der geräumten Bereiche.
=>  Nur Schlammablagerungen entfernen, Graben nicht eintiefen. Wertvolle Strukturen, zB Uferanbrüche, belassen. Die Gewässersohle sollte auch nach der Räumung möglichst strukturreich und rau sein.
=>  Gegen die Fließrichtung vorgehen, damit verdriftete Tiere nur einmal betroffen sind.
=>  Von September bis Oktober durchführen, wenn Pflanzen und Tiere ihre Entwicklung abgeschlossen haben, sich aber noch nicht in Winterruhe befinden.
=>  Am schonendsten ist eine manuelle Räumung mit dem Spaten. Auch Kleinbagger oder Mähkorb können eingesetzt werden. Niemals jedoch Grabenfräsen verwenden.
=>  Entferntes Material abtropfen und ein bis zwei Tage am Graben liegen lassen, damit Tiere zurück in den Graben wandern können. Danach abführen.
 
•   Entkrauten zum Entfernen übermäßigen Wasserpflanzenbewuchses
=>  Nur, wenn unbedingt nötig. Die Entwicklung der Wasserpflanzen wird vor allem von den Nährstoff- und Lichtverhältnissen bestimmt. Deshalb Nährstoffeinträge in den Graben verhindern. Eventuell können beschattende Gehölze eine Entkrautung überflüssig machen.
=>  Am besten ist händisches Mähen mit der Sense. Bei Einsatz von Maschinen Balkenmähwerke verwenden.
=>  „Stromaufwärts“ arbeiten.
=>  Günstigster Zeitpunkt ist meist von September bis Oktober.
=>  Einzelne Sumpf- und Wasserpflanzenpolster stehen lassen. Abschnittsweise bzw einseitiges Vorgehen ermöglicht eine schnelle Wiederbesiedlung. In großen Gräben nur den Mittelwasserabflussbereich freimachen.
=>  Pflanzenmaterial ein bis zwei Tage im Uferbereich liegen lassen. Danach entfernen (Abflusshindernis, Gewässerbeeinträchtigung durch Fäulnis).
 
•   Mahd der Grabenböschungen
=>  Mahd zeitlich und räumlich staffeln (wechselseitige bzw abschnittsweise Mahd). Ungemähte Abschnitte als Rückzugsmöglichkeit für die Tierwelt erhalten. Einzelne Abschnitte auch über den Winter stehen lassen bzw nur jedes zweite Jahr mähen. Artenreiche Hochstaudenfluren sind für viele Tiere, zB blütenbesuchende Insekten, wertvolle Lebensräume!
=>  Schilfröhrichte und Seggenriede nicht mit mähen.
=>  Mähgut ein paar Tage liegen lassen (Fluchtmöglichkeit für Kleintiere), danach Entfernen, um eine Nährstoffanreicherung zu verhindern.
=>  Möglichst hohe Schnittführung. Keine Mulchgeräte, Kreisel-, Schlegel- und Saugmäher einsetzten, um die Tierwelt zu schonen. Besser sind Motorsensen, Balkenmäher oder händisches Mähen mit der Sense.
=> mehr zum Thema Tierschonende Mahd
=>  “Problempflanzen” – insbesondere nicht heimische Arten wie Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute und Riesenbärenklau – können durch selektive, häufige Mahd verdrängt werden.
=> mehr zum Thema Neophyten
 
 
Unterlagen / Links
 
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (2000): Unterhaltung und Pflege von Gräben. 2. veränderte Aufl., Oberirdische Gewässer, Gewässerökologie 55, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe, 47 S., Download pdf (4.102 kb)
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (1999): Hinweise zur Grabenunterhaltung. Naturschutz-Praxis Landschaftspflege Merkblatt 3, Karlsruhe, Download pdf (242 kb)
Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich (1999): Die Pflege von artenreichen Wiesen: Gräben. Zürich, Download pdf (425 kb)
R. S. K. Buisson, P. M. Wade, R. L. Cathcart, S. M. Hemmings, C. J. Manning & L. Mayer (2008): The Drainage Channel Biodiversity Manual. Integrating wildlife and flood risk management. Association of Drainage Authorities and Natural England, Peterborough, 189 S., Download pdf (5.202 kb)
Schwab, U. (1994): Lebensraumtyp Gräben. Landschafspflegekonzept Bayern Band II.10. Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung um Umweltfragen (StMLU) und Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), München, 135 S., Download pdf (4.303 kb)
A. Garniel (1999): Schutzkonzept für gefährdete Fließgewässer und Gräben Schleswig-Holsteins. Kieler Landschaftsinstitut im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein, Teil A – Wasserpflanzen (1.824 kb), Teil B – Fließgewässer (8.089 kb), Teil C – Gräben (4.763 kb)
 
 
letzte Änderung August 2008, © UMG
 
   

 
 
Entwässerungsgräben
Naturnahe Pflege fördert die Artenvielfalt
 
Gräben sind künstliche Gewässer, die zur Regulierung des Wasserhaushalts geschaffen wurden. Einerseits verursachen sie ökologische Probleme, wenn sie den Wasserhaushalt in sensiblen Feuchtgebieten verändern oder durch steile Böschungen zu Tierfallen werden. Andererseits können sich naturnahe Gräben zu wertvollen Landschaftsstrukturen mit vielfältigen ökologischen Funktionen entwickeln.
In intensiv genutzten Landschaften sind Gräben oft die letzten Rückzugsgebiete für Wildtiere, die hier Nahrung, Versteckmöglichkeiten, Brut-, Nist-, Laich- und Überwinterungsplätze finden. Als lineare Elemente kommt ihnen auch eine besondere Funktion im Biotopverbund zu; Gräben dienen als Ausbreitungswege für viele Tiere und Pflanzen.
Zur Erhaltung müssen Gräben gepflegt werden. Die Art der Grabenpflege beeinflusst dabei ganz entscheidend die Artenvielfalt.
 
 
Gräben zu artenreichen Landschaftselementen entwickeln
 
•   Ausreichend große Pufferzone zu intensiv genutzten Flächen einhalten, um Nähr- und Schadstoffeinträge in das Grabensystem zu verhindern.
 
•   Flache Böschungen gestalten. Gräben mit steilen Grabenböschungen können zu Fallen für Tiere werden – in denen viele Arten umkommen. Ganz besonders sind Jungtiere gefährdet. Das Abflachen der Grabenböschungen entschärft die Fallenwirkung und steigert den ökologischen Wert.
 
•   Gräben schonend und idealerweise nur abschnittsweise pflegen (maximal 50 m bzw ein Drittel der Grabenlänge).
 
•   Verzicht auf Grabenfräsen – für die Tier- und Pflanzenwelt ist ihr Einsatz katastrophal. Sie zerstören nicht nur die Vegetation und töten zahlreiche Tiere, sondern beseitigen auch sämtliche Kleinstrukturen. Es dauert lange, bis sich die Tier und Pflanzenwelt wieder erholt.
 
•   Durch Grabenaufstau kann der Wasserhaushalt von Feuchtgebieten verbessert und können ausgetrocknete Flächen wieder vernässt werden. Umgekehrt kann Grabenöffnung zum Absinken des Grundwasserspiegels führen – daher Vorsicht!
=> mehr zum Thema Wiedervernässung
 
•   Pflegemaßnahmen an die Vorkommen gefährdeter und besonders schützenswerter Tier- und Pflanzenarten anpassen.
=> mehr zum Thema Naturnahe Pflegemaßnahmen
 
 
Ökologisch optimale Grabenpflege
 
•   Grabenräumung zum Beseitigen von Ablagerungen im Graben
=>  Auf ein Mindestmaß beschränken (nicht öfters als alle fünf Jahre), möglichst punktuell und abschnittsweise eingreifen. Einseitiges oder schachbrettartiges Vorgehen erleichtert die Wiederbesiedlung der geräumten Bereiche.
=>  Nur Schlammablagerungen entfernen, Graben nicht eintiefen. Wertvolle Strukturen, zB Uferanbrüche, belassen. Die Gewässersohle sollte auch nach der Räumung möglichst strukturreich und rau sein.
=>  Gegen die Fließrichtung vorgehen, damit verdriftete Tiere nur einmal betroffen sind.
=>  Von September bis Oktober durchführen, wenn Pflanzen und Tiere ihre Entwicklung abgeschlossen haben, sich aber noch nicht in Winterruhe befinden.
=>  Am schonendsten ist eine manuelle Räumung mit dem Spaten. Auch Kleinbagger oder Mähkorb können eingesetzt werden. Niemals jedoch Grabenfräsen verwenden.
=>  Entferntes Material abtropfen und ein bis zwei Tage am Graben liegen lassen, damit Tiere zurück in den Graben wandern können. Danach abführen.
 
•   Entkrauten zum Entfernen übermäßigen Wasserpflanzenbewuchses
=>  Nur, wenn unbedingt nötig. Die Entwicklung der Wasserpflanzen wird vor allem von den Nährstoff- und Lichtverhältnissen bestimmt. Deshalb Nährstoffeinträge in den Graben verhindern. Eventuell können beschattende Gehölze eine Entkrautung überflüssig machen.
=>  Am besten ist händisches Mähen mit der Sense. Bei Einsatz von Maschinen Balkenmähwerke verwenden.
=>  „Stromaufwärts“ arbeiten.
=>  Günstigster Zeitpunkt ist meist von September bis Oktober.
=>  Einzelne Sumpf- und Wasserpflanzenpolster stehen lassen. Abschnittsweise bzw einseitiges Vorgehen ermöglicht eine schnelle Wiederbesiedlung. In großen Gräben nur den Mittelwasserabflussbereich freimachen.
=>  Pflanzenmaterial ein bis zwei Tage im Uferbereich liegen lassen. Danach entfernen (Abflusshindernis, Gewässerbeeinträchtigung durch Fäulnis).
 
•   Mahd der Grabenböschungen
=>  Mahd zeitlich und räumlich staffeln (wechselseitige bzw abschnittsweise Mahd). Ungemähte Abschnitte als Rückzugsmöglichkeit für die Tierwelt erhalten. Einzelne Abschnitte auch über den Winter stehen lassen bzw nur jedes zweite Jahr mähen. Artenreiche Hochstaudenfluren sind für viele Tiere, zB blütenbesuchende Insekten, wertvolle Lebensräume!
=>  Schilfröhrichte und Seggenriede nicht mit mähen.
=>  Mähgut ein paar Tage liegen lassen (Fluchtmöglichkeit für Kleintiere), danach Entfernen, um eine Nährstoffanreicherung zu verhindern.
=>  Möglichst hohe Schnittführung. Keine Mulchgeräte, Kreisel-, Schlegel- und Saugmäher einsetzten, um die Tierwelt zu schonen. Besser sind Motorsensen, Balkenmäher oder händisches Mähen mit der Sense.
=> mehr zum Thema Tierschonende Mahd
=>  “Problempflanzen” – insbesondere nicht heimische Arten wie Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute und Riesenbärenklau – können durch selektive, häufige Mahd verdrängt werden.
=> mehr zum Thema Neophyten
 
 
Unterlagen / Links
 
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (2000): Unterhaltung und Pflege von Gräben. 2. veränderte Aufl., Oberirdische Gewässer, Gewässerökologie 55, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe, 47 S., Download pdf (4.102 kb)
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (1999): Hinweise zur Grabenunterhaltung. Naturschutz-Praxis Landschaftspflege Merkblatt 3, Karlsruhe, Download pdf (242 kb)
Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich (1999): Die Pflege von artenreichen Wiesen: Gräben. Zürich, Download pdf (425 kb)
R. S. K. Buisson, P. M. Wade, R. L. Cathcart, S. M. Hemmings, C. J. Manning & L. Mayer (2008): The Drainage Channel Biodiversity Manual. Integrating wildlife and flood risk management. Association of Drainage Authorities and Natural England, Peterborough, 189 S., Download pdf (5.202 kb)
Schwab, U. (1994): Lebensraumtyp Gräben. Landschafspflegekonzept Bayern Band II.10. Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung um Umweltfragen (StMLU) und Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), München, 135 S., Download pdf (4.303 kb)
A. Garniel (1999): Schutzkonzept für gefährdete Fließgewässer und Gräben Schleswig-Holsteins. Kieler Landschaftsinstitut im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein, Teil A – Wasserpflanzen (1.824 kb), Teil B – Fließgewässer (8.089 kb), Teil C – Gräben (4.763 kb)  
 

 


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T +43 (0)5574 65564 | F +43 (0)5574 655644
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www.naturtipps.com/entwaesserungsgraeben.html
Stand August 2008