Naturnahe Pflegemaßnahmen
Lebensraum- und Artenvielfalt fördern
 
 
Gärten, öffentliche Grünflächen, Straßen-, Wegränder und viele Fließgewässer müssen gepflegt werden. Damit verbunden ist oft ein erheblicher personeller und finanzieller Aufwand - und dies in Zeiten leerer Kassen. Umso besser, wenn durch eine kostengünstigen Pflege auch die Natur profitiert.
Ökologisch orientierte Pflegemaßnahmen fördern die Lebensraum- und Artenvielfalt und sind zudem meist weniger aufwändig als konventionelle Pflegemaßnahmen. Manchmal genügt schon eine Reduzierung der Schnittanzahl, um vielfältige Lebensräume zu entwickeln.
 
 
Grundsätze naturnaher Pflege
 
•   So wenig wie möglich, aber soviel wie nötig pflegen.
 
•   Nährstoffreiche, produktive Standorte müssen häufiger gemäht werden als nährstoffarme Magerstandorte. Auch kann die Ausbreitung unerwünschter Pflanzen, zB von Neophyten, eine intensivere Pflege erfordern.
 
•   Schaffung von Magerstandorten, beispielsweise an Dämmen, Böschungen und Straßenrändern. Auf nährstoffarmen Böden sind Biomassezuwachs und daher auch Pflegeaufwand geringer. Meist sind nährstoffarme Standorte auch artenreicher.
 
•   Ideale Pflege ist in vielen Fällen eine Mahd. Der Abtransport des Mähguts verhindert eine unerwünschte Nährstoffanreicherung. Bleibt das Pflanzenmaterial für eine gewisse Zeit liegen, können Kleintiere zurück in ihren Lebensraum wandern. Wichtig ist eine sachgerechte Entsorgung – besonders dann, wenn das Schnittgut unerwünschte Problempflanzen enthält.
 
•   Beim Einsatz motorisierter Geräte und Maschinen möglichst leise und abgasarme Technologien auf dem neuesten Stand der Technik einsetzen. Noch besser wäre – sofern möglich – auf Motor betriebene Geräte überhaupt zu verzichten: Laubbläser und aus ökologischer Sicht bedenkliche Laubsauger beispielsweise durch Zusammenrechen oder Zusammenkehren von Laub ersetzen.
 
•   Tierfreundliche Mähtechniken einsetzen: Auf den Einsatz von Kreiselmähwerken und Schlegelmulchern ist mit Rücksicht auf die Tierwelt zu verzichten. Balkenmähgeräte sind wesentlich schonender als rotierende Mähgeräte.
 
•   Mahd mit der Handsense! Diese traditionelle Technik hat auf kleinflächigen und strukturreichen Standorten durchaus Zukunft. Sensenmahd verursacht keine Abgase, keinen Lärm und ist in bewohnten Gebieten auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten tolerierbar. Anschaffung und Erhaltung fallen im Vergleich zu motorisierten Mähgeräten kaum ins Gewicht.
 
•   Strukturvielfalt erhalten: Kleinflächige und gestaffelte Pflegeregime erhalten Rückzugsräume für die Tierwelt. Dies ist beispielsweise bei der Pflege blumenreicher Dämme von großer Bedeutung für Blüten besuchende Insekten.
 
•   Beweidung: Manche Trockenstandorte sind erst durch Beweidung entstanden. Auch Feuchtflächen, insbesondere nährstoffreiche Standorte, sind für eine Beweidung geeignet. Extensive Pflege durch Beweidung ist kostengünstig und fördert die Strukturvielfalt.
 
•   Verzicht auf Pestizide.
 
•   Ersatz von synthetischen Düngern und von Torf durch Häckselgut und Kompost.
 
•   Wahl des richtigen Pflegezeitpunkts. Blumenreiche Wiesenflächen sollten erst dann gemäht werden, wenn die Samenreifung seltener Pflanze und die Entwicklung seltener Insekten abgeschlossen ist. Gehölze werden nicht in der Brutzeit der Vögel geschnitten. Der richtige Zeitpunkt verhindert negative Folgen für Pflanzen und Tiere.
 
•   Bei der Pflege und Fällung von Bäumen auf baumhöhlenbewohnende Tiere Rücksicht nehmen.
=>  Artenschutzbelange bei Baumpflege und Baumfällungen (Landeshauptstadt Dresden, pdf 2.085 kb)
=>  Leitfaden Höhlenbäume im urbanen Raum (Stadt Frankfurt a. Main, pdf 4.496 kb)

=>  mehr zum Thema Tierschonende Mahd
=>  mehr zum Thema Wiesenpflege
=>  mehr zum Thema Heckenpflege
=>  mehr zum Thema Straßenunterhalt ohne Gift
=>  mehr zum Thema Damm, Böschung, Wegrand - Pflege und Gestaltung
=>  mehr zum Thema Waldränder pflegen
=>  mehr zum Thema Naturnahe Gewässerpflege
=>  mehr zum Thema Hinweise zu Maßnahmen gegen invasive Neophyten
 
 
Unterlagen / Links
 
W. Kuhn (2007): Alles sauber, alles rein? Grünflächenpflege in der Landschaft. Veitshöchheimer Berichte 101 (1): 59-62, Download pdf (6.374 kb)
Stiftung Wirtschaft und Ökologie: Anleitung für ein erfolgreiches Sensenmähen, ansehen auf www.yumpu.com
Grün Stadt Zürich - Fachbereich Naturschutz (Hrsg.) (2010): Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen. Stadt Zürich, 63 S., Download pdf (4.313 kb)
G. Schlögl (2014): Handbuch Naturnahe Pflege von Begleitgrün. Uferbegleitvegetation, Feldgehölze und Raine. Begleitgrün an Wegen und Straßen, Streuobst- und Kopfbäume. Empfehlungen und Tipps für Landesstellen, Gemeinden, Landwirte und alle, die Pflegemaßnahmen durchführen. Naturschutzbund Burgenland, Eisenstadt, 96 S., Download pdf (7.716 kb)
P. Polak (2004): Handbuch der Grünraumpflege. Natur im Garten - Gesund halten, was uns gesund erhält, Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten, 176 S., Download pdf (2.590 kb)
 
 
letzte Änderung Jänner 2016, © UMG
 
   

 
 
Naturnahe Pflegemaßnahmen
Lebensraum- und Artenvielfalt fördern
 
Gärten, öffentliche Grünflächen, Straßen-, Wegränder und viele Fließgewässer müssen gepflegt werden. Damit verbunden ist oft ein erheblicher personeller und finanzieller Aufwand - und dies in Zeiten leerer Kassen. Umso besser, wenn durch eine kostengünstigen Pflege auch die Natur profitiert.
Ökologisch orientierte Pflegemaßnahmen fördern die Lebensraum- und Artenvielfalt und sind zudem meist weniger aufwändig als konventionelle Pflegemaßnahmen. Manchmal genügt schon eine Reduzierung der Schnittanzahl, um vielfältige Lebensräume zu entwickeln.
 
 
Grundsätze naturnaher Pflege
 
•   So wenig wie möglich, aber soviel wie nötig pflegen.
 
•   Nährstoffreiche, produktive Standorte müssen häufiger gemäht werden als nährstoffarme Magerstandorte. Auch kann die Ausbreitung unerwünschter Pflanzen, zB von Neophyten, eine intensivere Pflege erfordern.
 
•   Schaffung von Magerstandorten, beispielsweise an Dämmen, Böschungen und Straßenrändern. Auf nährstoffarmen Böden sind Biomassezuwachs und daher auch Pflegeaufwand geringer. Meist sind nährstoffarme Standorte auch artenreicher.
 
•   Ideale Pflege ist in vielen Fällen eine Mahd. Der Abtransport des Mähguts verhindert eine unerwünschte Nährstoffanreicherung. Bleibt das Pflanzenmaterial für eine gewisse Zeit liegen, können Kleintiere zurück in ihren Lebensraum wandern. Wichtig ist eine sachgerechte Entsorgung – besonders dann, wenn das Schnittgut unerwünschte Problempflanzen enthält.
 
•   Beim Einsatz motorisierter Geräte und Maschinen möglichst leise und abgasarme Technologien auf dem neuesten Stand der Technik einsetzen. Noch besser wäre – sofern möglich – auf Motor betriebene Geräte überhaupt zu verzichten: Laubbläser und aus ökologischer Sicht bedenkliche Laubsauger beispielsweise durch Zusammenrechen oder Zusammenkehren von Laub ersetzen.
 
•   Tierfreundliche Mähtechniken einsetzen: Auf den Einsatz von Kreiselmähwerken und Schlegelmulchern ist mit Rücksicht auf die Tierwelt zu verzichten. Balkenmähgeräte sind wesentlich schonender als rotierende Mähgeräte.
 
•   Mahd mit der Handsense! Diese traditionelle Technik hat auf kleinflächigen und strukturreichen Standorten durchaus Zukunft. Sensenmahd verursacht keine Abgase, keinen Lärm und ist in bewohnten Gebieten auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten tolerierbar. Anschaffung und Erhaltung fallen im Vergleich zu motorisierten Mähgeräten kaum ins Gewicht.
 
•   Strukturvielfalt erhalten: Kleinflächige und gestaffelte Pflegeregime erhalten Rückzugsräume für die Tierwelt. Dies ist beispielsweise bei der Pflege blumenreicher Dämme von großer Bedeutung für Blüten besuchende Insekten.
 
•   Beweidung: Manche Trockenstandorte sind erst durch Beweidung entstanden. Auch Feuchtflächen, insbesondere nährstoffreiche Standorte, sind für eine Beweidung geeignet. Extensive Pflege durch Beweidung ist kostengünstig und fördert die Strukturvielfalt.
 
•   Verzicht auf Pestizide.
 
•   Ersatz von synthetischen Düngern und von Torf durch Häckselgut und Kompost.
 
•   Wahl des richtigen Pflegezeitpunkts. Blumenreiche Wiesenflächen sollten erst dann gemäht werden, wenn die Samenreifung seltener Pflanze und die Entwicklung seltener Insekten abgeschlossen ist. Gehölze werden nicht in der Brutzeit der Vögel geschnitten. Der richtige Zeitpunkt verhindert negative Folgen für Pflanzen und Tiere.
 
•   Bei der Pflege und Fällung von Bäumen auf baumhöhlenbewohnende Tiere Rücksicht nehmen.
=>  Artenschutzbelange bei Baumpflege und Baumfällungen (Landeshauptstadt Dresden, pdf 2.085 kb)
=>  Leitfaden Höhlenbäume im urbanen Raum (Stadt Frankfurt a. Main, pdf 4.496 kb)

=>  mehr zum Thema Tierschonende Mahd
=>  mehr zum Thema Wiesenpflege
=>  mehr zum Thema Heckenpflege
=>  mehr zum Thema Straßenunterhalt ohne Gift
=>  mehr zum Thema Damm, Böschung, Wegrand - Pflege und Gestaltung
=>  mehr zum Thema Waldränder pflegen
=>  mehr zum Thema Naturnahe Gewässerpflege
=>  mehr zum Thema Hinweise zu Maßnahmen gegen invasive Neophyten
 
 
Unterlagen / Links
 
W. Kuhn (2007): Alles sauber, alles rein? Grünflächenpflege in der Landschaft. Veitshöchheimer Berichte 101 (1): 59-62, Download pdf (6.374 kb)
Stiftung Wirtschaft und Ökologie: Anleitung für ein erfolgreiches Sensenmähen, ansehen auf www.yumpu.com
Grün Stadt Zürich - Fachbereich Naturschutz (Hrsg.) (2010): Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen. Stadt Zürich, 63 S., Download pdf (4.313 kb)
G. Schlögl (2014): Handbuch Naturnahe Pflege von Begleitgrün. Uferbegleitvegetation, Feldgehölze und Raine. Begleitgrün an Wegen und Straßen, Streuobst- und Kopfbäume. Empfehlungen und Tipps für Landesstellen, Gemeinden, Landwirte und alle, die Pflegemaßnahmen durchführen. Naturschutzbund Burgenland, Eisenstadt, 96 S., Download pdf (7.716 kb)
P. Polak (2004): Handbuch der Grünraumpflege. Natur im Garten - Gesund halten, was uns gesund erhält, Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten, 176 S., Download pdf (2.590 kb)  
 

 


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www.naturtipps.com/pflege.html
Stand Jänner 2016