Landschaftsästhetik
Wann ist eine Landschaft schön?
 
 
Landschaften sind nicht erneuerbare Ressourcen. Das Landschaftsbild ist Teil dieser Ressourcen.
Die Landschaftsästhetik beschäftigt sich mit der Schönheit von Landschaften. Dabei ist das Erleben subjektiv und von Erinnerungen und Erwartungen beeinflusst. Viele Faktoren bestimmen unsere Landschaftswahrnehmung: Farben, Formen, Proportionen, Licht, Geräusche, auch Gerüche und ebenso die räumliche Verteilung von Landschaftselementen oder Erscheinungsformen von Bauwerken. Vom Landschaftsbild hängt wesentlich die emotionale Beziehung des Menschen zur Natur ab.
 
=> mehr zum Thema Landschaft
 
 
Kriterien zur Beurteilung des landschaftlichen Werts
 
Trotz aller Subjektivität der Wahrnehmung haben doch einige Qualitätskriterien für die meisten Gültigkeit:
 
•   Vielfalt
Die landschaftliche Vielfalt entspricht dem Bedürfnis nach Abwechslung und Neuem. Vielfältige Landschaften liefern zahlreiche Sinneseindrücke durch unterschiedliche Oberflächen, Vegetationstypen, Gewässerformen, Nutzungen und Baustrukturen. Auch jahreszeitliche Aspekte, spezielle Blickbeziehungen und Raumperspektiven sorgen für Abwechslung.
 
•   Eigenart
Eigenart beschreibt das Typische und Prägende einer Landschaft. Eigenart ist im Zusammenhang zu sehen mit Geborgenheit und Heimatgefühl – ein Ergebnis der landschafts- und kulturgeschichtlichen Entwicklung.
 
•   Geschlossenheit
Die naturraumtypische Landschaftskammerung und das Fehlen störender Elemente vermitteln ebenfalls ein Gefühl der Geborgenheit und werden meist als angenehm und beruhigend empfunden. Oder im negativen Fall auch als bedrohlich eng – etwa in einer Schlucht. Jedenfalls können geschlossene Landschaften mit vertrauten Orientierungsmerkmalen starke Emotionen auslösen.
 
•   Naturnähe
Naturnahe Landschaften sind nur wenig durch den Menschen beeinflusst; großflächige Überbauungen und technisch-geometrische Strukturen fehlen. Naturnahe Landschaften vermitteln Freiheit und Unabhängigkeit.
 
•   Visuelle Verletzlichkeit
Verletzliche Landschaften sind empfindliche Landschaften. Sie enthalten zahlreiche prägende Schlüsselelemente, die für das Landschaftsbild von elementarer Bedeutung sind. Der Verlust dieser Landschaftselemente beeinträchtigt das Landschaftsbild.
 
•   Schutzwürdigkeit
Besonders schutzwürdig ist eine Landschaft dann, wenn sie selten in ihrer Ausprägung oder gar einzigartig ist. Oder auch, wenn sie einen Landschaftstyp besonders gut repräsentiert.
 
•   Subjektives Erleben
Neben einer nachvollziehbaren Analyse des Landschaftsbilds durch bewertbare Kriterien spielt in der Landschaftsästhetik auch der intuitive Zugang zum Thema eine wichtige Rolle. Die gefühlsbetonte Wahrnehmung wird vom sozialen und kulturellen Umfeld beeinflusst und lässt sich wohl nur durch eine verbale Beschreibung festhalten. Trotzdem ist dies ist ein unverzichtbarer Teil einer umfassenden Landschaftsbildbewertung und damit wichtig für die optimale Integration von Infrastrukturen in die Landschaft.
 
 
Das Landschaftsbild bewahren
 
Abgesehen von überdimensionierten Eingriffen, etwa in Abbaugebieten, sind die naturräumlich – topgrafischen Rahmenbedingungen einer Landschaft meist unverrückbar. Die Veränderung des Landschaftsbildes erfolgt daher durch die Landnutzung und durch Infrastrukturen. Und somit sind eine standortangepasste Land- und Forstwirtschaft und die Integration von Anlagen und Bauwerken in die Landschaft die Voraussetzungen für die Erhaltung eines attraktiven Landschaftsbildes.
=> mehr zum Thema Baustellen und Naturschutz
=> mehr zum Thema Wald und Naturschutz
 
•   Die Beschäftigung mit den Landschaftseigenschaften, ihrer Eigenart, Genese und Kulturgeschichte, ist eine wesentliche Voraussetzung für landschaftsangepasstes Bauen. Sensible Lebensräume sollten unbeeinträchtigt erhalten bleiben, in manchen Landschaften sind heute keine Eingriffe mehr tolerierbar.
 
•   Vorhaben sind maßvoll zu dimensionieren und in die Landschaft einzugliedern, indem sie auf Vorhandenes Rücksicht nehmen: Einsehbarkeit, Größe bzw Maßstäblichkeit, Form, Materialwahl, Farben und Texturen bestimmen, wie sich Infrastrukturen in die Landschaft einpassen. Vorhaben dürfen die Landschaft nicht beherrschen oder kontrastieren.
 
•   Landschaftsverträgliche Projekte berücksichtigen die Landschaft gesamthaft:
- Die landschaftstypische Vielfalt von Pflanzen und Tieren wird erhalten.
- Die natürliche Leistungsfähigkeit des Bodens wird nicht durch unnötige Versiegelung, Verdichtung, Bodenab- oder -auftrag oder durch Schadstoffe beeinträchtigt.
- Grundwasser und Oberflächengewässer werden nicht belastet.
- Emissionen wie Abgase, Stäube und Lärm werden vermieden oder minimiert.
- Das Lokalklima wird erhalten.
- Die Möglichkeit der landschaftsbezogenen Erholung wird nicht einschränkt.
- Kulturgüter bleiben unbeeinträchtigt.
 
 
Unterlagen / Links
 
T. Gremminger, V. Keller, U. Roth, H.-M. Schmitt, M. Stremlow & W. Zeh (2001): Landschaftsästhetik. Wege für das Planen und Projektieren. Leitfaden Umwelt 9, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern, 92 S. + Arbeitshilfe Landschaftsästhetik + Anwendungsbeispiel Arbeitshilfe Landschaftsästhetik
R. Schertler: Gelungene Geländegestaltung aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes, Download pdf (362 kb)
U. Franke & E. E. Korkisch (2009): Thema: Landschaftsanalyse – Landschaftsgerecht Bauen. Impulse zur Siedlungsgestaltung im Landschaftsraum, zur Bauflächenbestimmung und zur topographiebezogenen verdichteten Bebauung für die norddeutsche Kulturlandschaft. Lnk_Landschaft – Institut norddeutsche Kulturlandschaft 3, Oceano Verlag, Schwerin, 73 S.
U. Franke (2008): Thema: Landschaftsbild – Landschaften lesen. Impulse zur Landschaftsästhetik, Naturwahrnehmung und Landschaftsbildbewertung für die norddeutsche Kulturlandschaft. Lnk_Landschaft – Institut norddeutsche Kulturlandschaft 1, Oceano Verlag, Schwerin, 94 S., Download pdf (5.003 kb)
Internetschule der Landwirtschaft: Die Beeinflussung der Gestalt und des Bildes einer Landschaft durch die Landwirtschaft. Lehrbrief 2.2.5, 3 S., Download pdf (229 kb)
I. Gerhards (2003): Die Bedeutung der landschaftlichen Eigenart für die Landschaftsbildbewertung – dargestellt am Beispiel der Bewertung von Landschaftsbildveränderungen durch Energiefreileitungen. Culterra 33, Institut für Landespflege, Freiburg i. Br., 225 S., Download pdf (6.337 kb)
H. H. Wöbse (2002): Landschaftsästhetik. Über das Wesen, die Bedeutung und den Umgang mit landschaftlicher Schönheit. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 304 S.
 
 
letzte Änderung Februar 2012, © UMG
 
   

 
 
Landschaftsästhetik
Wann ist eine Landschaft schön?
 
Landschaften sind nicht erneuerbare Ressourcen. Das Landschaftsbild ist Teil dieser Ressourcen.
Die Landschaftsästhetik beschäftigt sich mit der Schönheit von Landschaften. Dabei ist das Erleben subjektiv und von Erinnerungen und Erwartungen beeinflusst. Viele Faktoren bestimmen unsere Landschaftswahrnehmung: Farben, Formen, Proportionen, Licht, Geräusche, auch Gerüche und ebenso die räumliche Verteilung von Landschaftselementen oder Erscheinungsformen von Bauwerken. Vom Landschaftsbild hängt wesentlich die emotionale Beziehung des Menschen zur Natur ab.
 
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Kriterien zur Beurteilung des landschaftlichen Werts
 
Trotz aller Subjektivität der Wahrnehmung haben doch einige Qualitätskriterien für die meisten Gültigkeit:
 
•   Vielfalt
Die landschaftliche Vielfalt entspricht dem Bedürfnis nach Abwechslung und Neuem. Vielfältige Landschaften liefern zahlreiche Sinneseindrücke durch unterschiedliche Oberflächen, Vegetationstypen, Gewässerformen, Nutzungen und Baustrukturen. Auch jahreszeitliche Aspekte, spezielle Blickbeziehungen und Raumperspektiven sorgen für Abwechslung.
 
•   Eigenart
Eigenart beschreibt das Typische und Prägende einer Landschaft. Eigenart ist im Zusammenhang zu sehen mit Geborgenheit und Heimatgefühl – ein Ergebnis der landschafts- und kulturgeschichtlichen Entwicklung.
 
•   Geschlossenheit
Die naturraumtypische Landschaftskammerung und das Fehlen störender Elemente vermitteln ebenfalls ein Gefühl der Geborgenheit und werden meist als angenehm und beruhigend empfunden. Oder im negativen Fall auch als bedrohlich eng – etwa in einer Schlucht. Jedenfalls können geschlossene Landschaften mit vertrauten Orientierungsmerkmalen starke Emotionen auslösen.
 
•   Naturnähe
Naturnahe Landschaften sind nur wenig durch den Menschen beeinflusst; großflächige Überbauungen und technisch-geometrische Strukturen fehlen. Naturnahe Landschaften vermitteln Freiheit und Unabhängigkeit.
 
•   Visuelle Verletzlichkeit
Verletzliche Landschaften sind empfindliche Landschaften. Sie enthalten zahlreiche prägende Schlüsselelemente, die für das Landschaftsbild von elementarer Bedeutung sind. Der Verlust dieser Landschaftselemente beeinträchtigt das Landschaftsbild.
 
•   Schutzwürdigkeit
Besonders schutzwürdig ist eine Landschaft dann, wenn sie selten in ihrer Ausprägung oder gar einzigartig ist. Oder auch, wenn sie einen Landschaftstyp besonders gut repräsentiert.
 
•   Subjektives Erleben
Neben einer nachvollziehbaren Analyse des Landschaftsbilds durch bewertbare Kriterien spielt in der Landschaftsästhetik auch der intuitive Zugang zum Thema eine wichtige Rolle. Die gefühlsbetonte Wahrnehmung wird vom sozialen und kulturellen Umfeld beeinflusst und lässt sich wohl nur durch eine verbale Beschreibung festhalten. Trotzdem ist dies ist ein unverzichtbarer Teil einer umfassenden Landschaftsbildbewertung und damit wichtig für die optimale Integration von Infrastrukturen in die Landschaft.
 
 
Das Landschaftsbild bewahren
 
Abgesehen von überdimensionierten Eingriffen, etwa in Abbaugebieten, sind die naturräumlich – topgrafischen Rahmenbedingungen einer Landschaft meist unverrückbar. Die Veränderung des Landschaftsbildes erfolgt daher durch die Landnutzung und durch Infrastrukturen. Und somit sind eine standortangepasste Land- und Forstwirtschaft und die Integration von Anlagen und Bauwerken in die Landschaft die Voraussetzungen für die Erhaltung eines attraktiven Landschaftsbildes.
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•   Die Beschäftigung mit den Landschaftseigenschaften, ihrer Eigenart, Genese und Kulturgeschichte, ist eine wesentliche Voraussetzung für landschaftsangepasstes Bauen. Sensible Lebensräume sollten unbeeinträchtigt erhalten bleiben, in manchen Landschaften sind heute keine Eingriffe mehr tolerierbar.
 
•   Vorhaben sind maßvoll zu dimensionieren und in die Landschaft einzugliedern, indem sie auf Vorhandenes Rücksicht nehmen: Einsehbarkeit, Größe bzw Maßstäblichkeit, Form, Materialwahl, Farben und Texturen bestimmen, wie sich Infrastrukturen in die Landschaft einpassen. Vorhaben dürfen die Landschaft nicht beherrschen oder kontrastieren.
 
•   Landschaftsverträgliche Projekte berücksichtigen die Landschaft gesamthaft:
- Die landschaftstypische Vielfalt von Pflanzen und Tieren wird erhalten.
- Die natürliche Leistungsfähigkeit des Bodens wird nicht durch unnötige Versiegelung, Verdichtung, Bodenab- oder -auftrag oder durch Schadstoffe beeinträchtigt.
- Grundwasser und Oberflächengewässer werden nicht belastet.
- Emissionen wie Abgase, Stäube und Lärm werden vermieden oder minimiert.
- Das Lokalklima wird erhalten.
- Die Möglichkeit der landschaftsbezogenen Erholung wird nicht einschränkt.
- Kulturgüter bleiben unbeeinträchtigt.
 
 
Unterlagen / Links
 
T. Gremminger, V. Keller, U. Roth, H.-M. Schmitt, M. Stremlow & W. Zeh (2001): Landschaftsästhetik. Wege für das Planen und Projektieren. Leitfaden Umwelt 9, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern, 92 S. + Arbeitshilfe Landschaftsästhetik + Anwendungsbeispiel Arbeitshilfe Landschaftsästhetik
R. Schertler: Gelungene Geländegestaltung aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes, Download pdf (362 kb)
U. Franke & E. E. Korkisch (2009): Thema: Landschaftsanalyse – Landschaftsgerecht Bauen. Impulse zur Siedlungsgestaltung im Landschaftsraum, zur Bauflächenbestimmung und zur topographiebezogenen verdichteten Bebauung für die norddeutsche Kulturlandschaft. Lnk_Landschaft – Institut norddeutsche Kulturlandschaft 3, Oceano Verlag, Schwerin, 73 S.
U. Franke (2008): Thema: Landschaftsbild – Landschaften lesen. Impulse zur Landschaftsästhetik, Naturwahrnehmung und Landschaftsbildbewertung für die norddeutsche Kulturlandschaft. Lnk_Landschaft – Institut norddeutsche Kulturlandschaft 1, Oceano Verlag, Schwerin, 94 S., Download pdf (5.003 kb)
Internetschule der Landwirtschaft: Die Beeinflussung der Gestalt und des Bildes einer Landschaft durch die Landwirtschaft. Lehrbrief 2.2.5, 3 S., Download pdf (229 kb)
I. Gerhards (2003): Die Bedeutung der landschaftlichen Eigenart für die Landschaftsbildbewertung - dargestellt am Beispiel der Bewertung von Landschaftsbildveränderungen durch Energiefreileitungen. Culterra 33, Institut für Landespflege, Freiburg i. Br., 225 S., Download pdf (6.337 kb)
H. H. Wöbse (2002): Landschaftsästhetik. Über das Wesen, die Bedeutung und den Umgang mit landschaftlicher Schönheit. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 304 S.
 
 

 


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www.naturtipps.com/landschaftsbild.html
Stand Februar 2012