Freizeit und Sport am Wasser
Sensible Nahtstelle Wasser - Land
 
 
Die Freizeitnutzung an Gewässern ist vielfältig: Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen, Angeln, Surfen, Rudern, Segeln, Wasserskifahren, Kitesurfen, Rafting, Kanu- und Kajakfahren beanspruchen Gewässer und Ufer. Rücksichtnahme ist das Gebot der Stunde.
 
 
Angeln
 
Angeln beeinflusst Gewässerökosysteme, wenn durch den Fang oder den Besatz mit Fischen in das natürliche Artenspektrum eingegriffen wird. Auswirkungen ergeben sich auch durch Tritt in sensiblen Uferbereichen und in Lebensräumen störungsempfindlicher Tierarten.
 
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•   Wichtige Lebensräume, beispielsweise Brutgebiete sensibler Vogelarten, möglichst meiden. Angler halten sich meist lange an einem Gewässer auf. Für Vögel kann dies besonders zur Brutzeit kritisch werden, wenn Elternvögel vom Nest vertrieben werden, Eier auskühlen oder Junge über längere Zeit nicht gefüttert werden. Zeitliche Nutzungsbeschränkungen sind einzuhalten, Ruhezonen dürfen nicht betreten werden.
 
•   Schäden an der Ufervegetation vermeiden. Natürliche Vegetation an Gewässern nicht entfernen oder kurz halten, um den Zugang zum Gewässer zu verbessern.
 
•   Schonzeiten, Schonmaße und Fangbeschränkungen sind einzuhalten. Fische müssen sachgerecht gefangen und möglichst schmerzfrei getötet werden.
 
•   Ausgeworfene Angeln nie unbeaufsichtigt lassen. Zurück gelassene Angelschnüre und Angelhacken sind für andere Tiere gefährliche Fallen.
 
•   „Anfüttern“ vermeiden, um eine Belastung des Gewässers durch das Futter zu verhindern
 
•   Kein Fischbesatz in von Natur aus fischfreien Gewässern – Fischbesatz zählt zu den wichtigsten Gefährdungsursachen für Amphibien! (weitere Informationen)
 
•   Seltene Fischarten sind unabhängig von ihrer fischereilichen Bedeutung zu schützen und ihr Lebensraum zu erhalten.
 
 
Surfen
 
Bereits ein einzelner Surfer kann das Raumnutzungsmuster von Wasservögeln deutlich verändern. Dies stört das Brutgeschäft und die Aufzucht der Jungen, blockiert Rast- und Mauserplätze und behindert die Nahrungssuche. Die Fluchtdistanz auf offenen Wasserfläche beträgt bei vielen Wasservogelarten 200 bis 300 m, manchmal sogar 500 m. Verstärkt wird die Störwirkung durch die auffälligen bunten Segel und den nicht vorhersehbaren Kurs der Surfer. Der geringe Tiefgang der Surfbretter ermöglicht Surfen auch in Flachwasserbereichen.
 
•   Sensible Lebensräume meiden. Einen ausreichend großen Abstand zu Kies-, Sand- und Schlammbänken, dicht bewachsenen Flachwasserbereichen, Röhrichten und Wasservogelansammlungen einhalten.
 
•   Verzicht auf Surfen in kleinen Gewässern, die keine Rückzugsgebiete für Wasservögel bieten.
 
•   Zum Wassern und Anlanden wenig sensible Uferstandorte wählen.
 
•   Ruhegebiete und Sperrflächen beachten.
 
 
Bootsport
 
Für Boote gilt Ähnliches wie für Surfer: Ein einziges Segelboot kann in kleineren Gewässern den Großteil der Wasservögel vertreiben. Motorboote verursachen zudem Lärm; ihre Bug- und Heckwellen erzeugen künstlich hohe Wellen. Hafenanlagen in massiver Bauweise mit gemauerten oder betonierten Hafenumgrenzungen durch Spundwände, Steinschüttungen, Kaimauern, Steganlagen, Bojenfelder und Slipanlagen verändern das Landschaftsbild, die Uferlebensräume und selbst die Strömungsverhältnisse. Zwischen Hafenanlagen und ökologisch wertvollen Uferbereichen sind daher ausreichende große Pufferzonen wichtig.
 
•   Generell sind die geltenden Naturschutzbestimmen zu beachten.
 
•   Zu ökologisch wertvollen Lebensräumen, insbesondere zu Rast- und Aufenthaltsplätzen von Wasservögeln und Laichgebieten von Fischen, einen ausreichend großen Abstand einhalten. Wasservogelschwärme möglichst weiträumig umfahren.
 
•   Nur an dafür vorgesehenen Uferabschnitten anlanden.
 
•   Nicht in Röhrichte und seichte Gewässerabschnitte einfahren, auch Ruderboote und Kanus müssen ohne Ufer- und Grundkontakt gewendet werden können.
 
•   Motorboote sorgfältig warten, die Lärm- und Abgasentwicklung des Motors so gering wie möglich halten. Eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit senkt die Drehzahl und damit auch die Lärmentwicklung.
 
•   Auf dem Boot anfallende Abfälle, Abwässer und Öle sachgerecht entsorgen. Keine giftigen Farben für den Unterwasseranstrich verwenden. Antifoulingfarbe soll verhindern, dass sich Krebse, Muscheln oder Algen am Schiffskörper festsetzen. Die häufig eingesetzten bioziden Wirkstoffe können die Gewässergüte beeinträchtigen. Stattdessen biozidfreie Anstriche aus Baumharzen oder Silikon verwenden (=> www.bewuchs-atlas.de). Beim Waschen von Booten mit biozidhaltigen Antifoulingfarben darf das abfließende Waschwasser weder ins Gewässer noch in die Kanalisation gelangen, sondern muss als Sonderabfall entsorgt bzw vorgeklärt werden.
 
 
Wildwassersport
 
Wildwasserflüsse mit starker Strömung werden mit Schlauchbooten in Gruppen (Rafting) oder einzeln mit einem Kajak befahren. Der Reiz dieser Sportarten liegt im Erfahren und Bewältigen der Kraft des Wassers. Auswirkungen auf die Natur können sich sowohl an den Ein- und Ausstiegsplätzen als auch durch das Befahren selbst ergeben.
 
•   Flüsse müssen ausreichend tief und breit sein. Gewässer sollten nicht bei Niedrigwasser befahren werden.
 
•   Ein- und Ausstiegsstellen sorgfältig auswählen, um Schäden an der Ufervegetation durch Trittbelastung zu vermeiden.
 
•   Fischlaichplätze nicht durch mechanische Belastungen (Grundberührung durch das Boot oder die Stechpaddel) oder Sedimentaufwirbelungen beeinträchtigen.
 
•   Auf störungsempfindliche Tierarten Rücksicht nehmen. Besonders kritisch ist die Brutzeit von Vögeln wie Eisvogel, Wasseramsel, Flussregenpfeifer oder Flussuferläufer.
 
•   Nicht auf Kiesbänken oder an sensiblen Uferbereichen anlanden, Feuer machen oder campieren.
 
 
Canyoning
 
Schluchten sind Lebensräume für eine hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierwelt. Beim Canyoning werden die Schluchten abseilend, kletternd, rutschend, schwimmend und manchmal sogar tauchend überwunden. Auswirkungen auf die Umgebung sind abhängig von der Begehungshäufigkeit, der Begehungsintensität und dem Begehungszeitpunkt. In weiten, flachen und sonnigen Bereichen sind eher negative Auswirkungen zu erwarten als in engen, steilen und schattigen Bereichen. Schluchten, in denen Hochwässer selten auftreten, sind tendenziell störungsanfälliger als Schluchten mit häufigen Hochwässern.
 
•   Auch hier gilt: Selbstverständlich sind Bestimmungen wie zB gesperrte Abschnitte oder saisonale Betretungsverbote unbedingt zu respektieren. Vor der Erschließung einer neuen Schlucht sollte vorab die Naturschutzsituation abgeklärt werden! Wichtig ist, sich nicht unnötig lange in der Schlucht aufzuhalten. Daher leise verhalten, nicht in der Schlucht rasten, grillen und keinen Müll zurücklassen.
 
•   Rücksicht auf die Brutzeit von Vögeln und die Laichzeit von Fischen nehmen. Bachforellen laichen ab Mitte September, die Entwicklung der Fischlarven kann in sehr kalten Gewässern bis zum folgenden Frühsommer dauern. Niststandorte von Vögeln weiträumig umgehen und die nähere Umgebung möglichst rasch verlassen.
 
•   Schluchten nur an wenig sensiblen Stellen, beispielsweise einer Brücke oder einem Wehr betreten und verlassen.
 
•   Die Route möglichst über nackten Fels wählen, Felsbänder, Risse, Spalten und Nischen meiden. Nicht direkt an Bäumen abseilen, um die Rinde sowie Moos- und Flechtenbewuchs zu schonen.
 
•   Wenig rutschen und wenig im Flussbett waten; den Gewässergrund nicht aufwühlen und keine größeren Steine bewegen, um ein Verdriften von Kleintieren zu verhindern.
 
•   Besonders empfindliche Lebensräume meiden. Dazu zählen beispielsweise Quellfluren und -moore, Felsrieselfluren, Höhlen, größere Kiesbänke und –inseln.
 
 
Tauchen
 
Taucher nutzen vor allem naturnahe, dh reine, ökologisch intakte und strukturreiche Gewässer mit einer hohen Artenvielfalt. Daher ist Rücksicht auf die Natur besonders wichtig. Dies gilt nicht nur für unsere Breiten, sondern auch im Urlaub, wenn noch relativ wenig belastete Küstenabschnitte im Meer betaucht werden.
 
•   Zum Einstieg Bootstege oder andere Einstiegshilfen benützen.
 
•   Am Gewässergrund keine Sedimente aufwirbeln; wenn möglich im schwebenden Zustand beobachten und fotografieren. Die Unterwasservegetation und Fauna darf nicht geschädigt werden; dies heißt beispielsweise, keine Korallen abbrechen und keine Tiere an Land bringen.
 
•   In Seen nur bis knapp unter die Sprungschicht tauchen und hier nur horizontal fortbewegen, um zu verhindern, dass nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben transportiert wird und den Stoffhaushalt des Gewässers negativ verändert.
 
•   Unter Schutz stehende Gewässer, Gewässer mit Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten, Gewässer mit einem naturnahen Uferbewuchs ohne Einstiegsmöglichkeiten sollten als Tauchgewässer gemieden werden. Auch besonders nährstoffarme und kleine Gewässer nicht betauchen – das Problem der Tiefenwasserverlagerung ist hier besonders gravierend.
 
•   Sensible Phasen wie die Laichzeit von Fischen, die Mauserzeit von Entenvögeln und die Brutzeit von Wasservögeln berücksichtigen, wenn sich Störungen besonders gravierend auswirken können.
 
•   Tauchflaschen sollten nicht am Gewässer befüllt werden, um eine Lärmbelästigung durch die Kompressoren zu verhindern.
 
 
Unterlagen / Links
 
Akademie für Umweltforschung und -bildung in Europa (2004): Wassersport im Einklang mit der Natur. Praxisleitfaden für Wassersportler & Naturschützer. AUbE-Umweltakademie, Bielefeld, 65 S., Download pdf (1.450 kb)
NaturSportInfo - Wassersport: www.natursportinfo.de/nsi_wassersport.html
H.-J. Schemmel & W. Stradas (2000): Der umweltbewusste Wassersportler. Ein Leitfaden. Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (StMLU), München, 60 S.
M. Bunzel-Drüke & M. Scharf (1994): Fisch und Mensch. Auswirkungen der Angelfischerei an Binnengewässern auf die Lebensräume unter Wasser. Naturschutz heute 4/1994, S. 35-37, href="http://www.nabu-aachen-land.de/unsere-meinung/fisch-und-mensch/
FAO European Inland Fisheries Advisory Commission (2008): EIFAC Code of Practice for Recreational Fisheries. EIFAC Occasional Paper 42, Food and Agricultur Organization of the United Nations, Rom, 45 S., Download pdf (331 kb)
R. Strojec & A. Bauer: Leitbild für natur- und landschaftsverträgliches Kanufahren. Deutschen Naturschutzring, Download pdf (195 kb)
B. Leuthold Hasler (2001): Lebensraumstudie Canyoning Schweiz. Mountain Wilderness Schweiz, 28 S., Download pdf (92 kb)
Canyoning-Naturkodex Schweiz (2001): Verhaltensregeln für naturverträgliches Canyoning. Download pdf (17 kb)
A. Schmauch (2001): Kritische Hinterfragung der Sportart „Canyoning“ aus ökologischer Sicht im Bayerischen und Tiroler Alpenraum. Deutschen Alpenverein, München, 94 S.
Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2001): Wassersport und Naturschutz. Ursprung - Gegenwart - Zukunft. Laufener Seminarbeiträge 2/01, ANL, Laufen, 85 S.
ATV-DVWK (2001): Freizeit und Erholung an Fließgewässern. Merkblatt ATV-DVWK-M 603, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Hennef, 64 S.
ATV-DVWK (1996): Erholung und Freizeitnutzung an Seen. Voraussetzungen, Planung, Gestaltung. Merkblatt ATV-DVWK-M 233, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Hennef, 66 S.
 
 
letzte Änderung Mai 2010, © UMG
 
   

 
 
Freizeit und Sport am Wasser
Sensible Nahtstelle Wasser - Land
 
Die Freizeitnutzung an Gewässern ist vielfältig: Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen, Angeln, Surfen, Rudern, Segeln, Wasserskifahren, Kitesurfen, Rafting, Kanu- und Kajakfahren beanspruchen Gewässer und Ufer. Rücksichtnahme ist das Gebot der Stunde.
 
 
Angeln
 
Angeln beeinflusst Gewässerökosysteme, wenn durch den Fang oder den Besatz mit Fischen in das natürliche Artenspektrum eingegriffen wird. Auswirkungen ergeben sich auch durch Tritt in sensiblen Uferbereichen und in Lebensräumen störungsempfindlicher Tierarten.
 
•   Wichtige Lebensräume, beispielsweise Brutgebiete sensibler Vogelarten, möglichst meiden. Angler halten sich meist lange an einem Gewässer auf. Für Vögel kann dies besonders zur Brutzeit kritisch werden, wenn Elternvögel vom Nest vertrieben werden, Eier auskühlen oder Junge über längere Zeit nicht gefüttert werden. Zeitliche Nutzungsbeschränkungen sind einzuhalten, Ruhezonen dürfen nicht betreten werden.
 
•   Schäden an der Ufervegetation vermeiden. Natürliche Vegetation an Gewässern nicht entfernen oder kurz halten, um den Zugang zum Gewässer zu verbessern.
 
•   Schonzeiten, Schonmaße und Fangbeschränkungen sind einzuhalten. Fische müssen sachgerecht gefangen und möglichst schmerzfrei getötet werden.
 
•   Ausgeworfene Angeln nie unbeaufsichtigt lassen. Zurück gelassene Angelschnüre und Angelhacken sind für andere Tiere gefährliche Fallen.
 
•   „Anfüttern“ vermeiden, um eine Belastung des Gewässers durch das Futter zu verhindern
 
•   Kein Fischbesatz in von Natur aus fischfreien Gewässern – Fischbesatz zählt zu den wichtigsten Gefährdungsursachen für Amphibien! (weitere Informationen)
 
•   Seltene Fischarten sind unabhängig von ihrer fischereilichen Bedeutung zu schützen und ihr Lebensraum zu erhalten.
 
 
Surfen
 
Bereits ein einzelner Surfer kann das Raumnutzungsmuster von Wasservögeln deutlich verändern. Dies stört das Brutgeschäft und die Aufzucht der Jungen, blockiert Rast- und Mauserplätze und behindert die Nahrungssuche. Die Fluchtdistanz auf offenen Wasserfläche beträgt bei vielen Wasservogelarten 200 bis 300 m, manchmal sogar 500 m. Verstärkt wird die Störwirkung durch die auffälligen bunten Segel und den nicht vorhersehbaren Kurs der Surfer. Der geringe Tiefgang der Surfbretter ermöglicht Surfen auch in Flachwasserbereichen.
 
•   Sensible Lebensräume meiden. Einen ausreichend großen Abstand zu Kies-, Sand- und Schlammbänken, dicht bewachsenen Flachwasserbereichen, Röhrichten und Wasservogelansammlungen einhalten.
 
•   Verzicht auf Surfen in kleinen Gewässern, die keine Rückzugsgebiete für Wasservögel bieten.
 
•   Zum Wassern und Anlanden wenig sensible Uferstandorte wählen.
 
•   Ruhegebiete und Sperrflächen beachten.
 
 
Bootsport
 
Für Boote gilt Ähnliches wie für Surfer: Ein einziges Segelboot kann in kleineren Gewässern den Großteil der Wasservögel vertreiben. Motorboote verursachen zudem Lärm; ihre Bug- und Heckwellen erzeugen künstlich hohe Wellen. Hafenanlagen in massiver Bauweise mit gemauerten oder betonierten Hafenumgrenzungen durch Spundwände, Steinschüttungen, Kaimauern, Steganlagen, Bojenfelder und Slipanlagen verändern das Landschaftsbild, die Uferlebensräume und selbst die Strömungsverhältnisse. Zwischen Hafenanlagen und ökologisch wertvollen Uferbereichen sind daher ausreichende große Pufferzonen wichtig.
 
•   Generell sind die geltenden Naturschutzbestimmen zu beachten.
 
•   Zu ökologisch wertvollen Lebensräumen, insbesondere zu Rast- und Aufenthaltsplätzen von Wasservögeln und Laichgebieten von Fischen, einen ausreichend großen Abstand einhalten. Wasservogelschwärme möglichst weiträumig umfahren.
 
•   Nur an dafür vorgesehenen Uferabschnitten anlanden.
 
•   Nicht in Röhrichte und seichte Gewässerabschnitte einfahren, auch Ruderboote und Kanus müssen ohne Ufer- und Grundkontakt gewendet werden können.
 
•   Motorboote sorgfältig warten, die Lärm- und Abgasentwicklung des Motors so gering wie möglich halten. Eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit senkt die Drehzahl und damit auch die Lärmentwicklung.
 
•   Auf dem Boot anfallende Abfälle, Abwässer und Öle sachgerecht entsorgen. Keine giftigen Farben für den Unterwasseranstrich verwenden. Antifoulingfarbe soll verhindern, dass sich Krebse, Muscheln oder Algen am Schiffskörper festsetzen. Die häufig eingesetzten bioziden Wirkstoffe können die Gewässergüte beeinträchtigen. Stattdessen biozidfreie Anstriche aus Baumharzen oder Silikon verwenden (=> www.bewuchs-atlas.de). Beim Waschen von Booten mit biozidhaltigen Antifoulingfarben darf das abfließende Waschwasser weder ins Gewässer noch in die Kanalisation gelangen, sondern muss als Sonderabfall entsorgt bzw vorgeklärt werden.
 
 
Wildwassersport
 
Wildwasserflüsse mit starker Strömung werden mit Schlauchbooten in Gruppen (Rafting) oder einzeln mit einem Kajak befahren. Der Reiz dieser Sportarten liegt im Erfahren und Bewältigen der Kraft des Wassers. Auswirkungen auf die Natur können sich sowohl an den Ein- und Ausstiegsplätzen als auch durch das Befahren selbst ergeben.
 
•   Flüsse müssen ausreichend tief und breit sein. Gewässer sollten nicht bei Niedrigwasser befahren werden.
 
•   Ein- und Ausstiegsstellen sorgfältig auswählen, um Schäden an der Ufervegetation durch Trittbelastung zu vermeiden.
 
•   Fischlaichplätze nicht durch mechanische Belastungen (Grundberührung durch das Boot oder die Stechpaddel) oder Sedimentaufwirbelungen beeinträchtigen.
 
•   Auf störungsempfindliche Tierarten Rücksicht nehmen. Besonders kritisch ist die Brutzeit von Vögeln wie Eisvogel, Wasseramsel, Flussregenpfeifer oder Flussuferläufer.
 
•   Nicht auf Kiesbänken oder an sensiblen Uferbereichen anlanden, Feuer machen oder campieren.
 
 
Canyoning
 
Schluchten sind Lebensräume für eine hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierwelt. Beim Canyoning werden die Schluchten abseilend, kletternd, rutschend, schwimmend und manchmal sogar tauchend überwunden. Auswirkungen auf die Umgebung sind abhängig von der Begehungshäufigkeit, der Begehungsintensität und dem Begehungszeitpunkt. In weiten, flachen und sonnigen Bereichen sind eher negative Auswirkungen zu erwarten als in engen, steilen und schattigen Bereichen. Schluchten, in denen Hochwässer selten auftreten, sind tendenziell störungsanfälliger als Schluchten mit häufigen Hochwässern.
 
•   Auch hier gilt: Selbstverständlich sind Bestimmungen wie zB gesperrte Abschnitte oder saisonale Betretungsverbote unbedingt zu respektieren. Vor der Erschließung einer neuen Schlucht sollte vorab die Naturschutzsituation abgeklärt werden! Wichtig ist, sich nicht unnötig lange in der Schlucht aufzuhalten. Daher leise verhalten, nicht in der Schlucht rasten, grillen und keinen Müll zurücklassen.
 
•   Rücksicht auf die Brutzeit von Vögeln und die Laichzeit von Fischen nehmen. Bachforellen laichen ab Mitte September, die Entwicklung der Fischlarven kann in sehr kalten Gewässern bis zum folgenden Frühsommer dauern. Niststandorte von Vögeln weiträumig umgehen und die nähere Umgebung möglichst rasch verlassen.
 
•   Schluchten nur an wenig sensiblen Stellen, beispielsweise einer Brücke oder einem Wehr betreten und verlassen.
 
•   Die Route möglichst über nackten Fels wählen, Felsbänder, Risse, Spalten und Nischen meiden. Nicht direkt an Bäumen abseilen, um die Rinde sowie Moos- und Flechtenbewuchs zu schonen.
 
•   Wenig rutschen und wenig im Flussbett waten; den Gewässergrund nicht aufwühlen und keine größeren Steine bewegen, um ein Verdriften von Kleintieren zu verhindern.
 
•   Besonders empfindliche Lebensräume meiden. Dazu zählen beispielsweise Quellfluren und -moore, Felsrieselfluren, Höhlen, größere Kiesbänke und –inseln.
 
 
Tauchen
 
Taucher nutzen vor allem naturnahe, dh reine, ökologisch intakte und strukturreiche Gewässer mit einer hohen Artenvielfalt. Daher ist Rücksicht auf die Natur besonders wichtig. Dies gilt nicht nur für unsere Breiten, sondern auch im Urlaub, wenn noch relativ wenig belastete Küstenabschnitte im Meer betaucht werden.
 
•   Zum Einstieg Bootstege oder andere Einstiegshilfen benützen.
 
•   Am Gewässergrund keine Sedimente aufwirbeln; wenn möglich im schwebenden Zustand beobachten und fotografieren. Die Unterwasservegetation und Fauna darf nicht geschädigt werden; dies heißt beispielsweise, keine Korallen abbrechen und keine Tiere an Land bringen.
 
•   In Seen nur bis knapp unter die Sprungschicht tauchen und hier nur horizontal fortbewegen, um zu verhindern, dass nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben transportiert wird und den Stoffhaushalt des Gewässers negativ verändert.
 
•   Unter Schutz stehende Gewässer, Gewässer mit Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten, Gewässer mit einem naturnahen Uferbewuchs ohne Einstiegsmöglichkeiten sollten als Tauchgewässer gemieden werden. Auch besonders nährstoffarme und kleine Gewässer nicht betauchen – das Problem der Tiefenwasserverlagerung ist hier besonders gravierend.
 
•   Sensible Phasen wie die Laichzeit von Fischen, die Mauserzeit von Entenvögeln und die Brutzeit von Wasservögeln berücksichtigen, wenn sich Störungen besonders gravierend auswirken können.
 
•   Tauchflaschen sollten nicht am Gewässer befüllt werden, um eine Lärmbelästigung durch die Kompressoren zu verhindern.
 
 
Unterlagen / Links
 
Naturschützer. AUbE-Umweltakademie, Bielefeld, 65 S., Download pdf (1.450 kb)
NaturSportInfo - Wassersport: www.natursportinfo.de/nsi_wassersport.html
H.-J. Schemmel & W. Stradas (2000): Der umweltbewusste Wassersportler. Ein Leitfaden. Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (StMLU), München, 60 S.
M. Bunzel-Drüke & M. Scharf (1994): Fisch und Mensch. Auswirkungen der Angelfischerei an Binnengewässern auf die Lebensräume unter Wasser. Naturschutz heute 4/1994, S. 35-37, href="http://www.nabu-aachen-land.de/unsere-meinung/fisch-und-mensch/
FAO European Inland Fisheries Advisory Commission (2008): EIFAC Code of Practice for Recreational Fisheries. EIFAC Occasional Paper 42, Food and Agricultur Organization of the United Nations, Rom, 45 S., Download pdf (331 kb)
R. Strojec & A. Bauer: Leitbild für natur- und landschaftsverträgliches Kanufahren. Deutschen Naturschutzring, Download pdf (195 kb)
B. Leuthold Hasler (2001): Lebensraumstudie Canyoning Schweiz. Mountain Wilderness Schweiz, 28 S., Download pdf (92 kb)
Canyoning-Naturkodex Schweiz (2001): Verhaltensregeln für naturverträgliches Canyoning. Download pdf (17 kb)
A. Schmauch (2001): Kritische Hinterfragung der Sportart „Canyoning“ aus ökologischer Sicht im Bayerischen und Tiroler Alpenraum. Deutschen Alpenverein, München, 94 S.
Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2001): Wassersport und Naturschutz. Ursprung - Gegenwart - Zukunft. Laufener Seminarbeiträge 2/01, ANL, Laufen, 85 S.
ATV-DVWK (2001): Freizeit und Erholung an Fließgewässern. Merkblatt ATV-DVWK-M 603, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Hennef, 64 S.
ATV-DVWK (1996): Erholung und Freizeitnutzung an Seen. Voraussetzungen, Planung, Gestaltung. Merkblatt ATV-DVWK-M 233, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Hennef, 66 S.  
 

 


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www.naturtipps.com/sport_freizeit/wasser.html
Stand Mai 2010