Freizeit und Sport im Gebirge
Der Berg als Sportgerät
 
 
Pflanzen und Tiere der Gebirge sind bestens an die schwierigen, oftmals lebensfeindlichen Verhältnisse ihrer Umwelt angepasst. Sie müssen mit Wetterextremen, starken Temperaturschwankungen und langen Wintern zurecht kommen. Heute entdecken auch immer mehr Menschen die „unberührte“ Natur der Gebirge. Auf die sensiblen Ökosysteme und ihre Arten bleibt dies nicht ohne Auswirkungen.
 
 
Wandern
 
Wanderer benötigen Wege, Grill- und Lagerplätze, Hütten und Verpflegungsstationen. Ein dichtes Wegenetz führt zu einer Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen. Auch eine ungünstige Standortwahl von Rast-, Spiel- und Grillplätzen kann empfindliche Biotope belasten. Stark frequentierte Berghütten verursachen insbesondere durch mangelhafte Abfall- und Abwasserentsorgung Umweltprobleme. In gut erreichbaren Regionen, zB in der Umgebung von Seilbahnstation, ist der Besucherdruck zeitweise extrem hoch.
 
•   Wichtig ist, dass Wanderer bestehende Wege und vorhandene Infrastruktureinrichtungen nutzen. Wanderer abseits der Wege und außerhalb der üblich frequentierten Tageszeiten beunruhigen Wildtiere. Sensible Lebensräume wie Moore, Seeufer oder Trockenstandorte sollten nicht betreten werden.
 
•   Keine Spuren hinterlassen – Müll mitnehmen, keine Pflanzen abreißen, das Wasser in Brunnen und Viehtränken nicht verunreinigen.
 
•   Keine Abkürzungen nehmen. Im Hochgebirge wachsen Pflanzen sehr langsam – Krummseggenrasen breiten sich beispielsweise nur um 1 mm pro Jahr aus. Wird die Vegetation durch “trampling“ zerstört, ist eine Regeneration langwierig. In steilen Lagen können sich punktuell vegetationsfreie Standorten zu größeren Erosionsflächen entwickeln.
 
•   Freilaufende Hunde sind in naturnahen Landschaften generell problematisch. Vor allem abseits der Wege sind Beeinträchtigungen von Wildtieren zu erwarten.
 
•   Wildtiere sind bis zu einem gewissen Ausmaß in der Lage, Nahrungssuche und Ruhephasen an die Besucherströme anzupassen. Kritisch ist daher, wenn in ohnehin stark belasteten Regionen neue Aktivitäten wie Nachtwanderungen oder Winterwanderwege hinzukommen.
 
 
Mountainbiken
 
Für Mountainbiken gilt Ähnliches wie für das Wandern. Mountainbiker erreichen allerdings eine höhere Geschwindigkeit, weshalb der Überraschungseffekt für Wildtiere größer ist. Wo Wanderer und Radfahrer gemeinsam unterwegs sind, müssen die Wege zudem deutlich breiter sein.
 
•   Keine Abkürzungen fahren. Im Gebirge reagieren Böden und Pflanzenwelt besonders empfindlich auf Verletzungen.
 
•   Insbesondere auf Waldwegen nicht in der Dämmerung oder gar nachts fahren. In der Morgen- und Abenddämmerung ist die Störwirkung auf Wildtiere besonders stark, genauso während der Aufzucht der Jungen.
 
•   Nicht „off-road“ fahren. Es besteht ein deutlicher Unterschied im Fluchtverhalten von Tieren zwischen einem Radfahrer auf einem Weg und einem im freien Gelände!
 
•   Sensible Gebiete wie Wildfütterungen oder Schutzgebiete meiden.
 
•   Sanft Bremsen. Durch blockierende Bremsen entstandene Bremsspuren sind Ansatzstellen für Erosion und erhöhen den Aufwand für die Instandhaltung der Wege.
 
 
Klettern
 
Felswände sind extreme Biotope, die von besonderen Tieren und Pflanzen besiedelt werden. Sie zählen zu den wenigen Lebensräumen in Mitteleuropa, die oft noch weitgehend ursprünglich sind. Durch die Entwicklung des Kletterns zum Breitensport nahmen die Störungen stark zu; Tiere werden durch die Menschen vertrieben, Pflanzen leiden unter der Trittbelastung.
 
•   Markierte Einstiege und Abseilstellen benutzten. Trittempfindliche Arten sind bei den Zu-, Aus- und Abstiegen der Kletterrouten besonders gefährdet.
 
•   Auf Felsen mit ausgeprägter Vegetation behutsam klettern; geneigte, stark bewachsene Wandzonen möglichst verschonen.
 
•   Wände auf keinen Fall „ausputzen“. Das Entfernen „lästiger“ Vegetation ist ein massiver Eingriff in ein hoch spezialisiertes Ökosystem.
 
•   Für felsbrütende Vögel sind Störungen während der Brutzeit besonders gravierend. Ein Wanderfalke verlässt bereits bei einer Annäherung auf 100 m sein Nest. Zeitlich befristete bzw ganzjährige Sperren sind unbedingt zu respektieren.
 
•   Wenn Umlenk- und Abseilhacken unterhalb der Vegetationszone von Felsköpfen vorhanden sind, sollten diese auch benützt werden. Sie wurden errichtetet, um die empfindlichen Pflanzengesellschaften im „Gipfelbereich“ der Felsen zu schonen.
 
 
Beeren und Pilze sammeln
 
Neben Pilzen und Beeren werden verschiedenste Wildpflanzen zu Dekorationszwecken, als Wildgemüse, Tee oder als Heilpflanzen gesammelt. Beeren- und Pilzsammler bewegen sich hauptsächlich im Wald und an Waldrändern abseits der Wege. Rücksichtnahme auf störempfindliche Wildtiere und trittempfindliche Pflanzengesellschaften ist daher wichtig.
 
•   Grundsätzlich sollten nur Pilze und Beeren gesammelt werden, die sich entsprechend verwerten lassen. Nur jene Pflanzenteile pflücken und mitnehmen, die verwendet werden. Und selbstverständlich werden nur Pflanzen gesammelt, die auch im Gelände eindeutig als solche erkannt werden.
 
•   Nachhaltig Sammeln bedeutet, dass keine Übernutzung stattfindet. Die erlaubten Höchstmengen sind daher unbedingt einzuhalten.
 
•   Niemals geschützte Arten sammeln.
 
•   Sensible Gebiete meiden. Nicht in Schutzgebieten sammeln.
 
 
Unterlagen / Links
 
P. Ingold (2005): Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere. Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier. Mit einem Ratgeber für die Praxis. Haupt, Bern, 516 S.
Deutscher Alpenverein – Naturverträglicher Bergsport: www.alpenverein.de/Natur-Umwelt/Naturvertraeglicher-Bergsport/
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (2006): Fair Play im Wald. BMLFUW, Wien, 19 S., Download pdf (1.005 kb)
T. Froitzheim & R. Spittler (1997): Leitbilder eines natur- und landschaftsverträglichen Mountainbikings. Bielefeld, 24 S., Download pdf (463 kb)
Bayerisches Landesamt für Umwelt (2008): Natursport – Mountainbiking. UmweltWissen, Bayerisches Landesamt für Umwelt Augsburg, Download pdf (279 kb)
Deutscher Alpenverein (DAV): Zu Gast in den Felsen. Merkblatt zum naturverträglichen Klettern. Deutscher Alpenverein – Referat Natur- und Umweltschutz, München, Download pdf (2.115 kb)
DAV-Ressort Natur- und Umweltschutz (2014): Klettern und Naturschutz. Leitbild zum naturverträglichen Klettern in Deutschland. Deutscher Alpenverein e.V., München, 60 S., Download pdf (7.389 kb)
Pilzdatenbank der Toxikologischen Abteilung der II. Medizinischen Klinik der Technischen Universität München (Pilz-Informationstexte zu Speisepilzen, Giftpilzen und Pilzvergiftungssyndromen): www.toxinfo.med.tum.de/pilze/pilzdatenbank
 
 
letzte Änderung Mai 2010, © UMG
 
   

 
 
Freizeit und Sport im Gebirge
Der Berg als Sportgerät
 
Pflanzen und Tiere der Gebirge sind bestens an die schwierigen, oftmals lebensfeindlichen Verhältnisse ihrer Umwelt angepasst. Sie müssen mit Wetterextremen, starken Temperaturschwankungen und langen Wintern zurecht kommen. Heute entdecken auch immer mehr Menschen die „unberührte“ Natur der Gebirge. Auf die sensiblen Ökosysteme und ihre Arten bleibt dies nicht ohne Auswirkungen.
 
 
Wandern
 
Wanderer benötigen Wege, Grill- und Lagerplätze, Hütten und Verpflegungsstationen. Ein dichtes Wegenetz führt zu einer Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen. Auch eine ungünstige Standortwahl von Rast-, Spiel- und Grillplätzen kann empfindliche Biotope belasten. Stark frequentierte Berghütten verursachen insbesondere durch mangelhafte Abfall- und Abwasserentsorgung Umweltprobleme. In gut erreichbaren Regionen, zB in der Umgebung von Seilbahnstation, ist der Besucherdruck zeitweise extrem hoch.
 
•   Wichtig ist, dass Wanderer bestehende Wege und vorhandene Infrastruktureinrichtungen nutzen. Wanderer abseits der Wege und außerhalb der üblich frequentierten Tageszeiten beunruhigen Wildtiere. Sensible Lebensräume wie Moore, Seeufer oder Trockenstandorte sollten nicht betreten werden.
 
•   Keine Spuren hinterlassen – Müll mitnehmen, keine Pflanzen abreißen, das Wasser in Brunnen und Viehtränken nicht verunreinigen.
 
•   Keine Abkürzungen nehmen. Im Hochgebirge wachsen Pflanzen sehr langsam – Krummseggenrasen breiten sich beispielsweise nur um 1 mm pro Jahr aus. Wird die Vegetation durch “trampling“ zerstört, ist eine Regeneration langwierig. In steilen Lagen können sich punktuell vegetationsfreie Standorten zu größeren Erosionsflächen entwickeln.
 
•   Freilaufende Hunde sind in naturnahen Landschaften generell problematisch. Vor allem abseits der Wege sind Beeinträchtigungen von Wildtieren zu erwarten.
 
•   Wildtiere sind bis zu einem gewissen Ausmaß in der Lage, Nahrungssuche und Ruhephasen an die Besucherströme anzupassen. Kritisch ist daher, wenn in ohnehin stark belasteten Regionen neue Aktivitäten wie Nachtwanderungen oder Winterwanderwege hinzukommen.
 
 
Mountainbiken
 
Für Mountainbiken gilt Ähnliches wie für das Wandern. Mountainbiker erreichen allerdings eine höhere Geschwindigkeit, weshalb der Überraschungseffekt für Wildtiere größer ist. Wo Wanderer und Radfahrer gemeinsam unterwegs sind, müssen die Wege zudem deutlich breiter sein.
 
•   Keine Abkürzungen fahren. Im Gebirge reagieren Böden und Pflanzenwelt besonders empfindlich auf Verletzungen.
 
•   Insbesondere auf Waldwegen nicht in der Dämmerung oder gar nachts fahren. In der Morgen- und Abenddämmerung ist die Störwirkung auf Wildtiere besonders stark, genauso während der Aufzucht der Jungen.
 
•   Nicht „off-road“ fahren. Es besteht ein deutlicher Unterschied im Fluchtverhalten von Tieren zwischen einem Radfahrer auf einem Weg und einem im freien Gelände!
 
•   Sensible Gebiete wie Wildfütterungen oder Schutzgebiete meiden.
 
•   Sanft Bremsen. Durch blockierende Bremsen entstandene Bremsspuren sind Ansatzstellen für Erosion und erhöhen den Aufwand für die Instandhaltung der Wege.
 
 
Klettern
 
Felswände sind extreme Biotope, die von besonderen Tieren und Pflanzen besiedelt werden. Sie zählen zu den wenigen Lebensräumen in Mitteleuropa, die oft noch weitgehend ursprünglich sind. Durch die Entwicklung des Kletterns zum Breitensport nahmen die Störungen stark zu; Tiere werden durch die Menschen vertrieben, Pflanzen leiden unter der Trittbelastung.
 
•   Markierte Einstiege und Abseilstellen benutzten. Trittempfindliche Arten sind bei den Zu-, Aus- und Abstiegen der Kletterrouten besonders gefährdet.
 
•   Auf Felsen mit ausgeprägter Vegetation behutsam klettern; geneigte, stark bewachsene Wandzonen möglichst verschonen.
 
•   Wände auf keinen Fall „ausputzen“. Das Entfernen „lästiger“ Vegetation ist ein massiver Eingriff in ein hoch spezialisiertes Ökosystem.
 
•   Für felsbrütende Vögel sind Störungen während der Brutzeit besonders gravierend. Ein Wanderfalke verlässt bereits bei einer Annäherung auf 100 m sein Nest. Zeitlich befristete bzw ganzjährige Sperren sind unbedingt zu respektieren.
 
•   Wenn Umlenk- und Abseilhacken unterhalb der Vegetationszone von Felsköpfen vorhanden sind, sollten diese auch benützt werden. Sie wurden errichtetet, um die empfindlichen Pflanzengesellschaften im „Gipfelbereich“ der Felsen zu schonen.
 
 
Beeren und Pilze aammeln
 
Neben Pilzen und Beeren werden verschiedenste Wildpflanzen zu Dekorationszwecken, als Wildgemüse, Tee oder als Heilpflanzen gesammelt. Beeren- und Pilzsammler bewegen sich hauptsächlich im Wald und an Waldrändern abseits der Wege. Rücksichtnahme auf störempfindliche Wildtiere und trittempfindliche Pflanzengesellschaften ist daher wichtig.
 
•   Grundsätzlich sollten nur Pilze und Beeren gesammelt werden, die sich entsprechend verwerten lassen. Nur jene Pflanzenteile pflücken und mitnehmen, die verwendet werden. Und selbstverständlich werden nur Pflanzen gesammelt, die auch im Gelände eindeutig als solche erkannt werden.
 
•   Nachhaltig Sammeln bedeutet, dass keine Übernutzung stattfindet. Die erlaubten Höchstmengen sind daher unbedingt einzuhalten.
 
•   Niemals geschützte Arten sammeln.
 
•   Sensible Gebiete meiden. Nicht in Schutzgebieten sammeln.
 
 
Unterlagen / Links
 
P. Ingold (2005): Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere. Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier. Mit einem Ratgeber für die Praxis. Haupt, Bern, 516 S.
Deutscher Alpenverein – Naturverträglicher Bergsport: www.alpenverein.de/Natur-Umwelt/Naturvertraeglicher-Bergsport/
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (2006): Fair Play im Wald. BMLFUW, Wien, 19 S., Download pdf (1.005 kb)
T. Froitzheim & R. Spittler (1997): Leitbilder eines natur- und landschaftsverträglichen Mountainbikings. Bielefeld, 24 S., Download pdf (463 kb)
Bayerisches Landesamt für Umwelt (2008): Natursport – Mountainbiking. UmweltWissen, Bayerisches Landesamt für Umwelt Augsburg, Download pdf (279 kb)
Deutscher Alpenverein (DAV): Zu Gast in den Felsen. Merkblatt zum naturverträglichen Klettern. Deutscher Alpenverein – Referat Natur- und Umweltschutz, München, Download pdf (2.115 kb)
DAV-Ressort Natur- und Umweltschutz (2014): Klettern und Naturschutz. Leitbild zum naturverträglichen Klettern in Deutschland. Deutscher Alpenverein e.V., München, 60 S., Download pdf (7.389 kb)
Pilzdatenbank der Toxikologischen Abteilung der II. Medizinischen Klinik der Technischen Universität München (Pilz-Informationstexte zu Speisepilzen, Giftpilzen und Pilzvergiftungssyndromen): www.toxinfo.med.tum.de/pilze/pilzdatenbank  
 

 


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www.naturtipps.com/sport_freizeit/gebirge.html
Stand Mai 2010