Waldränder als artenreiche Lebensräume
Licht und Sukzession
 
 
Breite, stufig aufgebaute Waldränder sind wertvolle Saumbiotope, die durch eine große Artenvielfalt gekennzeichnet und wertvoller Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sind. Ein ökologisch idealer Waldrand besteht aus einem Krautsaum, einem Strauchgürtel und einem Waldmantel aus niederwüchsigen Bäumen und Lichtbaumarten und bildet eine Brücke zwischen Wald und offenem Land. Artenreiche Waldränder gliedern die Landschaft, bereichern das Landschaftsbild und erhöhen so den Erlebnis- und Erholungswert der Landschaft.
 
=> mehr zum Thema Landschaftsästhetik
 
 
Ökologisch wertvolle Waldränder fördern
 
Waldränder erfüllen ihre Funktion als Lebensraum und vernetzendes Landschaftselement am besten, wenn
 
•   sie einen Strauchgürtel und einen breiten Krautsaum aufweisen,
 
•   Waldmantel, Strauchgürtel und Krautsaum eng miteinander verzahnt sind,
 
•   sie ungleichaltrig und stufig aufgebaut sind,
 
•   sie Buchten aufweisen und unregelmäßig verlaufen,
 
•   sie sich aus standortgerechten Gehölzen zusammensetzen,
=> mehr zum Thema Heimische Gehölze
 
•   sie Kleinstrukturen aufweisen,
 
•   sie mit anderen Landschaftselemente wie Feldgehölzen oder Gewässern vernetzt sind,
=> mehr zum Thema Hecken und Feldgehölze
=> mehr zum Thema Gewässerrandstreifen
 
•   der Wald nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet wird und das angrenzende Offenland extensiv genutzt wird.
=> mehr zum Thema Wald und Naturschutz
 
 
Gezielt eingreifen
 
Waldränder sind dynamische Lebensräume. Wird nicht eingegriffen, wachsen sie in das offene Land vor. Pflege- und Aufwertungsmaßnahmen erhalten den ökologischen Wert von Waldrändern:
 
•   Gezielt eingreifen, Prioritäten festlegen und Standortfaktoren (Bodenverhältnisse, Exposition) berücksichtigen.
=>  Auf besonders geeigneten Standorten (südexponiert, naturnahe Umgebung) reicht meist minimaler Pflegeaufwand.
=>  Je größer das Aufwertungspotenzial, desto besser ist die Wirkung von Aufwertungsmaßnahmen.
=>  Schon vorhandene wertvolle Strukturen lassen sich meist mit geringem Aufwand langfristig erhalten.
 
•   Ohne Platz keine Vielfalt. Voraussetzung für die Entwicklung artenreicher, stufiger Waldränder ist ein ausreichendes Raumangebot.
 
•   Pflegeeingriffe abschnittsweise (auf einer Länge von 50 bis 300 Meter) durchführen. Den nächsten Abschnitt zwei bis fünf Jahre danach pflegen. Es genügt meist, wenn ein Abschnitt alle fünf bis zehn Jahre gepflegt wird. Pflegemaßnamen nicht im Frühling zur Brutzeit der Vögel durchführen.
=> mehr zum Thema Naturnahe Pflegemaßnahmen
 
 
Waldränder pflegen
 
•   Waldmantel auflichten, indem einzelne Bäume oder Baumgruppen entnommen werden. Dies lockert die Baumschicht auf, verbessert die Stufigkeit und fördert die Entwicklung eines ausgedehnten Strauchgürtels.
 
•   Den Strauchgürtel von Zeit zu Zeit abschnittsweise zurückschneiden, um die Gebüschvegetation zu verjüngen, die Arten- und Strukturvielfalt zu erhöhen und die Entwicklung eines üppigen Krautsaums zu fördern. Dabei besonders schnell wüchsige Arten kräftig zurückschneiden und auf Stock setzen.
 
•   Den Krautsaum extensiv nutzen. Manche Abschnitte nur jedes zweite Jahr mähen und so Überwinterungsorte für Insekten und andere Tiere erhalten. Bei Weideflächen muss der Weidezaun 2 bis 5 m vom Waldrand entfernt sein, damit sich ein Krautsaum entwickeln kann.
 
•   Seltene und langsam wachsende Baum- und Straucharten gezielt begünstigen und fördern.
 
•   Markante Randbäume, Biotopbäume und stehendes Alt- und Totholz erhalten. Totholz kann gezielt geschaffen werden, indem zu entfernende Bäume durch ringeln (ringförmiges Entfernen der Rinde rund um den Stamm) zum Absterben gebracht werden.
=> mehr zum Thema Neues Leben aus totem Holz
 
•   Für einen buchtigen, unregelmäßigen Verlauf des Waldrands sorgen. Besonders bei strukturarmen Waldrändern kann durch das Schlagen von Buchten (etwa 20 bis 50 m lang und 15 bis 30 m breit) Platz für dynamische Sukzessionen und die Entwicklung eines Strauch- und Krautgürtels geschaffen werden.
 
•   Kleinstrukturen anlegen. Stein-, Erd- und Asthaufen, sumpfige Stellen und Tümpel, vegetationsfreie Flächen, Tot- und Faulholz sind wertvolle Sonderstrukturen. Insbesondere bei den Pflegemaßnahmen anfallendes Astmaterial kann ohne großen Aufwand zu Haufen geschichtet und der natürliche Zersetzung überlassen werden.
=> mehr zum Thema Steinhaufen
=> mehr zum Thema Amphibienlaichgewässer anlegen
 
•   Das massive Auftreten von schnell wachsenden Arten wie Brombeere oder Waldrebe nach den Aufwertungsmaßnahmen lässt sich durch mehrere, kleine, zeitlich gestaffelte Eingriffe mindern.
 
•   Nicht zuletzt kann auch eine extensive Beweidung der Waldränder aufgelichtete Bereiche schaffen und unterschiedliche Sukzessionsstadien fördern.
 
 
Unterlagen / Links
 
D. v. Büren, C. Dietz, L. Bader, A. Budde & G. Kaufmann (1995): Waldrand. Artenreiches Grenzland, SBN-Merkblatt 14, Schweizerischer Bund für Naturschutz, Basel, 39 S.
R. Costa (2001): Waldrand – Lebensraum voller Überraschungen. Faktenblatt 7, Amt für Wald Graubünden, 11 S., Download pdf (824 kb)
R. Meister (2007): Gestaltung und Pflege von Waldrändern. Landwirtschaftskammer Österreich – Holzinformationsfonds, Wien, 15 S., Download pdf (1.881 kb)
B. Krüsi, R. Tenz, D. Arquint & M. Grossmann (2010): Praxishilfe für die Aufwertung von Waldrändern in der Schweiz. University of Applied Sciences ZHAW - Departement of Life Science and Facility Management, Zürich, 52 S., Download pdf (7.201 kb)
Landesforst Mecklenburg-Vorpommern (2000): Waldrandgestaltung. Heft G2, Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, 13 S., Download pdf (387 kb)
Arbeitsgruppe Ökologie der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg Unterarbeitsgruppe Waldränder (1996): Lebensraum Waldrand. Schutz und Gestaltung. Merkblätter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg 48, Merkblatt Waldökologie 2, Download pdf (808 kb)
M. Ott & L. Helbling (2013): Waldränder ökologisch aufwerten. Leitfaden für die Praxis. Beiträge zum Naturschutz in der Schweiz 33, Pro Natura, Basel, 43 S.
B. O. Krüsi, M. Schütz & S. Tidow (1996): Wie bringt man Vielfalt in den Waldrand? Informationsblatt des Forschungsbereiches Landschaftsökologie 31, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Birmensdorf, S. 4-6, Download pdf (187 kb)
T. Coch (1995). Waldrandpflege. Grundlagen und Konzepte. Praktischer Naturschutz, Neuman Verlag, Radebeul, 240 S.
 
 
letzte Änderung August 2008, © UMG
 
   

 
 
Waldränder als artenreiche Lebensräume
Licht und Sukzession
 
Breite, stufig aufgebaute Waldränder sind wertvolle Saumbiotope, die durch eine große Artenvielfalt gekennzeichnet und wertvoller Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sind. Ein ökologisch idealer Waldrand besteht aus einem Krautsaum, einem Strauchgürtel und einem Waldmantel aus niederwüchsigen Bäumen und Lichtbaumarten und bildet eine Brücke zwischen Wald und offenem Land. Artenreiche Waldränder gliedern die Landschaft, bereichern das Landschaftsbild und erhöhen so den Erlebnis- und Erholungswert der Landschaft.
 
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Ökologisch wertvolle Waldränder fördern
 
Waldränder erfüllen ihre Funktion als Lebensraum und vernetzendes Landschaftselement am besten, wenn
 
•   sie einen Strauchgürtel und einen breiten Krautsaum aufweisen,
 
•   Waldmantel, Strauchgürtel und Krautsaum eng miteinander verzahnt sind,
 
•   sie ungleichaltrig und stufig aufgebaut sind,
 
•   sie Buchten aufweisen und unregelmäßig verlaufen,
 
•   sie sich aus standortgerechten Gehölzen zusammensetzen,
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•   sie Kleinstrukturen aufweisen,
 
•   sie mit anderen Landschaftselemente wie Feldgehölzen oder Gewässern vernetzt sind,
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•   der Wald nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet wird und das angrenzende Offenland extensiv genutzt wird.
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Gezielt eingreifen
 
Waldränder sind dynamische Lebensräume. Wird nicht eingegriffen, wachsen sie in das offene Land vor. Pflege- und Aufwertungsmaßnahmen erhalten den ökologischen Wert von Waldrändern:
 
•   Gezielt eingreifen, Prioritäten festlegen und Standortfaktoren (Bodenverhältnisse, Exposition) berücksichtigen.
=>  Auf besonders geeigneten Standorten (südexponiert, naturnahe Umgebung) reicht meist minimaler Pflegeaufwand.
=>  Je größer das Aufwertungspotenzial, desto besser ist die Wirkung von Aufwertungsmaßnahmen.
=>  Schon vorhandene wertvolle Strukturen lassen sich meist mit geringem Aufwand langfristig erhalten.
 
•   Ohne Platz keine Vielfalt. Voraussetzung für die Entwicklung artenreicher, stufiger Waldränder ist ein ausreichendes Raumangebot.
 
•   Pflegeeingriffe abschnittsweise (auf einer Länge von 50 bis 300 Meter) durchführen. Den nächsten Abschnitt zwei bis fünf Jahre danach pflegen. Es genügt meist, wenn ein Abschnitt alle fünf bis zehn Jahre gepflegt wird. Pflegemaßnamen nicht im Frühling zur Brutzeit der Vögel durchführen.
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Waldränder pflegen
 
•   Waldmantel auflichten, indem einzelne Bäume oder Baumgruppen entnommen werden. Dies lockert die Baumschicht auf, verbessert die Stufigkeit und fördert die Entwicklung eines ausgedehnten Strauchgürtels.
 
•   Den Strauchgürtel von Zeit zu Zeit abschnittsweise zurückschneiden, um die Gebüschvegetation zu verjüngen, die Arten- und Strukturvielfalt zu erhöhen und die Entwicklung eines üppigen Krautsaums zu fördern. Dabei besonders schnell wüchsige Arten kräftig zurückschneiden und auf Stock setzen.
 
•   Den Krautsaum extensiv nutzen. Manche Abschnitte nur jedes zweite Jahr mähen und so Überwinterungsorte für Insekten und andere Tiere erhalten. Bei Weideflächen muss der Weidezaun 2 bis 5 m vom Waldrand entfernt sein, damit sich ein Krautsaum entwickeln kann.
 
•   Seltene und langsam wachsende Baum- und Straucharten gezielt begünstigen und fördern.
 
•   Markante Randbäume, Biotopbäume und stehendes Alt- und Totholz erhalten. Totholz kann gezielt geschaffen werden, indem zu entfernende Bäume durch ringeln (ringförmiges Entfernen der Rinde rund um den Stamm) zum Absterben gebracht werden.
=> mehr zum Thema Neues Leben aus totem Holz
 
•   Für einen buchtigen, unregelmäßigen Verlauf des Waldrands sorgen. Besonders bei strukturarmen Waldrändern kann durch das Schlagen von Buchten (etwa 20 bis 50 m lang und 15 bis 30 m breit) Platz für dynamische Sukzessionen und die Entwicklung eines Strauch- und Krautgürtels geschaffen werden.
 
•   Kleinstrukturen anlegen. Stein-, Erd- und Asthaufen, sumpfige Stellen und Tümpel, vegetationsfreie Flächen, Tot- und Faulholz sind wertvolle Sonderstrukturen. Insbesondere bei den Pflegemaßnahmen anfallendes Astmaterial kann ohne großen Aufwand zu Haufen geschichtet und der natürliche Zersetzung überlassen werden.
=> mehr zum Thema Steinhaufen
=> mehr zum Thema Amphibienlaichgewässer anlegen
 
•   Das massive Auftreten von schnell wachsenden Arten wie Brombeere oder Waldrebe nach den Aufwertungsmaßnahmen lässt sich durch mehrere, kleine, zeitlich gestaffelte Eingriffe mindern.
 
•   Nicht zuletzt kann auch eine extensive Beweidung der Waldränder aufgelichtete Bereiche schaffen und unterschiedliche Sukzessionsstadien fördern.
 
 
Unterlagen / Links
 
D. v. Büren, C. Dietz, L. Bader, A. Budde & G. Kaufmann (1995): Waldrand. Artenreiches Grenzland, SBN-Merkblatt 14, Schweizerischer Bund für Naturschutz, Basel, 39 S.
R. Costa (2001): Waldrand – Lebensraum voller Überraschungen. Faktenblatt 7, Amt für Wald Graubünden, 11 S., Download pdf (824 kb)
R. Meister (2007): Gestaltung und Pflege von Waldrändern. Landwirtschaftskammer Österreich – Holzinformationsfonds, Wien, 15 S., Download pdf (1.881 kb)
B. Krüsi, R. Tenz, D. Arquint & M. Grossmann (2010): Praxishilfe für die Aufwertung von Waldrändern in der Schweiz. University of Applied Sciences ZHAW - Departement of Life Science and Facility Management, Zürich, 52 S., Download pdf (7.201 kb)
Landesforst Mecklenburg-Vorpommern (2000): Waldrandgestaltung. Heft G2, Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, 13 S., Download pdf (387 kb)
Arbeitsgruppe Ökologie der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg Unterarbeitsgruppe Waldränder (1996): Lebensraum Waldrand. Schutz und Gestaltung. Merkblätter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg 48, Merkblatt Waldökologie 2, Download pdf (808 kb)
M. Ott & L. Helbling (2013): Waldränder ökologisch aufwerten. Leitfaden für die Praxis. Beiträge zum Naturschutz in der Schweiz 33, Pro Natura, Basel, 43 S.
B. O. Krüsi, M. Schütz & S. Tidow (1996): Wie bringt man Vielfalt in den Waldrand? Informationsblatt des Forschungsbereiches Landschaftsökologie 31, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Birmensdorf, S. 4-6, Download pdf (187 kb)
T. Coch (1995). Waldrandpflege. Grundlagen und Konzepte. Praktischer Naturschutz, Neuman Verlag, Radebeul, 240 S.  
 

 


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www.naturtipps.com/waldrand.html
Stand August 2008