Eisenbahnlinien
Natur am Bahndamm
 
 
Die Bahn zählt zu den umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Im Vergleich zum Auto oder Flugzeug sind die Schadstoffemissionen pro Reisekilometer deutlich geringer. Ähnliches gilt für den Flächenverbrauch für Verkehrsinfrastrukturen. Wie bei Straßen ist aber auch der Bau von Bahnlinien mit Eingriffen in die Natur verbunden.
Andererseits können Bahndämme und Bahnhöfe für manch seltene Pflanzen- und Tierart zu wichtigen Ersatzlebensräumen werden, wenn sie entsprechend gestaltet und gepflegt werden.
 
 
Bahnlinien und Landschaft
 
•   Landschaftsbild: Die Wirkung von Bahnstrecken auf das Landschaftsbild ist abhängig vom betroffenen Landschaftstyp. In gehölzarmen Talböden verändern Bahnlinien das Landschaftsbild meist weniger gravierend als in hügeligem Gelände, wo Dämme, Geländeeinschnitte, Bermen, hohe Steinmauern, Viadukte und Tunnelportale auffallend und Landschaft prägend werden.
=> mehr zum Thema Landschaftsästhetik
 
•   Linienförmiger Verlauf: In Stadt- und Industrielandschaften können Bahnstrecken neben Fließgewässern als durchgehende Biotopkorridore Bedeutung erlangen, die von vielen Arten als Ausbreitungs- und Wanderwege genutzt werden. In der freien Landschaft dagegen wirken Bahnlinien Landschaft zerschneidend – besonders dann, wenn sie durchgehend von Lärmschutzwänden begleitet werden.
=> mehr zum Thema Landschaftszerschneidung
 
 
Ökologische Eigenschaften von Bahntrassen
 
•   Hitze und Trockenheit: Gleiskörper sind extreme Lebensräume, die der vollen Sonneinstrahlung ausgesetzt sind und sich stark erwärmen. Die hohe Wasserdurchlässigkeit lässt Niederschläge rasch versickern. Selbst Wärme liebende Tierarten ziehen sich im Sommer in den Mittagsstunden in das Hohlraumsystem des Schotterkörpers zurück oder suchen in der Umgebung Schutz vor der Hitze.
 
•   Extensiv gepflegte Begleitflächen: Gleisanlagen sind meist von Böschungen, Dämmen und Begleitstreifen gesäumt. In Waldgebieten grenzen mehr oder weniger stark mit Sträuchern bewachsene Offenlandlebensräume an, weil diese als Feuerschutzstreifen offen gehalten werden bzw umstürzende Bäume oder herab fallende Äste eine Gefahr darstellen würden.
 
•   Herbizideinsatz: Regelmäßige Eingriffe zur Freihaltung der Gleiskörper von Bewuchs erfolgen meist durch Herbizide.
 
•   Windturbulenzen: Windturbulenzen durch den Zugverkehr begünstigen die Verfrachtung von Samen und Früchten und damit die Ausbreitung von Pflanzen. Dies gilt nicht nur für heimische, sondern auch für eingeschleppte Arten, so genannte Neophyten.
 
•   Lärm und Erschütterungen: Das Ausmaß der Emissionen ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, beispielsweise von der Fahrgeschwindigkeit, der Zugtechnik oder dem Zustand der Gleisanlagen.
 
•   Betriebsemissionen: Stäube aus abgeriebenen Metallteilchen, Zugabwässer und Müll gelangen in angrenzende Flächen.
 
 
Bahnanlagen als Lebensräume
 
•   Brachflächen: Im Bereich von Bahnhöfen finden sich of wenig genutzte Abstell- und Rangierflächen, die Ruderalarten und anderen spezialisierten Arten Lebensraum bieten. Auch stillgelegte Bahnareale beherbergen oft seltene Tier- und Pflanzenarten.
 
•   Rohböden: Pioniergesellschaften können auf den humusarmen Rohböden im Gleisbereich viele Jahre existieren. Manchmal verhindert Herbizideinsatz eine Verdrängung durch kräftigere, ausdauernde Arten.
 
•   Mechanisch beanspruchte Böden: Trittpflanzengesellschaften besiedeln mechanisch belastete und verdichtete Böden, vor allem häufig begangene oder befahrene Standorte an Bahnhöfen und Bahnübergänge.
 
•   Magerstandorte: Ausdauernde Pflanzengesellschaften besiedeln weniger stark bzw weniger häufig gestörte Flächen mit einem höheren Feinerdeanteil; das Spektrum reicht von Ruderalfluren auf stillgelegten Streckenabschnitten bis zu Magerwiesen auf nährstoffarmen Böschungen und Dämmen.
 
•   Trockenstandorte: Für Wärme liebende Tierarten, insbesondere verschiedene Reptilien und Insekten sind Eisenbahngelände ideale Sekundärlebensräume, wo sie in den lückig bewachsenen Kies- und Schotterflächen an sonnigen Tagen bereits zeitig im Frühjahr und auch spät im Herbst ihre volle Aktivität entfalten können. Gleichzeitig finden sie zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten in den Hohlräumen. Zu den regelmäßigen Bewohnern von Bahnanlagen zählen beispielsweise Zauneidechse, Mauereidechse und Schlingnatter. Blütenreiche Randstreifen werden von Nektar saugenden Insekten genutzt.
 
 
Rücksicht bei Pflegemaßnahmen
 
Art und Zeitpunkt der Pflege sind für die Vorkommen anspruchsvoller Arten entscheidend. Teilweise widersprechen sich die Entwicklungsziele, zB extensive Mahd versus natürliche Sukzession. Die Pflegemaßnahmen sind daher auf die jeweiligen Zielarten abzustimmen; dies sind im Wesentlichen seltene und für den Naturraum charakteristische Pflanzen und Tiere.
 
•   Natürliche Sukzession: Wenn nicht (mehr) benötigte Rand- und Nebenflächen einer natürlichen Entwicklung überlassen werden, profitieren unterschiedliche Artengruppen von den unterschiedlichen Sukzessionsstadien. Die meisten Standorte entwickeln sich früher oder später zu Wald.
=> mehr zum Thema Ruderalflächen
 
•   Abgestufte Pflege: Problematisch ist die großflächige und gleichförmige Pflege der Bahnbegleitflächen, die vielen Tieren schlagartig den Lebensraum oder die Nahrungsbasis entzieht. Eine zeitliche und räumliche Staffelung der Pflegemaßnahmen erhält dagegen unterschiedliche Vegetationsstadien und -strukturen.
 
•   Strukturvielfalt: Kleingehölze, Stein- oder Asthaufen schaffen Versteckmöglichkeiten und fördern die Lebensraumvielfalt. Anspruchsvolle Reptilien wie die Schlingnatter sind auf kleinem Raum auf Eiablagestellen, Sonnplätze, Verstecke, Jagdgebiete und Überwinterungsquartiere angewiesen. Für sie sind beispielsweise südexponierte Bahndamm- böschungen mit mosaikartig verteilten Gehölzgruppen und verstreuten sandigen oder steinigen Bodenstellen ideal.
=> mehr zum Thema Reptilien schützen
 
•   Kein Abbrennen und Mulchen. Begleitflächen sind möglichst durch Mahd und Abtransport des Mähgutes zu pflegen.
 
•   Tierschonende Mähtechnik: Wichtig ist der Einsatz tierfreundlicher Mähtechniken, vor allem von Balkenmähgeräten.
=> mehr zum Thema Tierschonende Mahd
 
•   Mangelbiotope erhalten. Seltene Lebensräume ("Mangelbiotope") wie Feuchtstellen oder Kleingewässer fördern.
 
•   Pflegezeitpunkt beachten. Auf seltene Arten ist Rücksicht zu nehmen. Auch ein Gehölzrückschnitt darf nicht während der Brutzeit der Vögel erfolgen. Gehölzpflegemaßnahmen sind möglichst abschnittsweise und gestaffelt durchzuführen.
 
•   Herbizideinsatz beschränken: Der Einsatz von Herbiziden auf Gleisanlagen ist auf das notwendige Minimum zu beschränken. Die eingesetzten Mittel sind sorgfältig auszuwählen und sollten nur bei trocknem Wetter eingesetzt werden, um eine Belastung von Böden und Gewässern zu verhindern. In der Zeit des stärksten Vegetationswachstums wirken Herbizide am effizientesten.
 
•   Neophyten regulieren: Bahnlinien sind häufig Lebensräume und Ausbreitungswege für Neophyten. Siedeln sich problematische Arten an, sind möglichst rasch geeignete Pflegemaßnahmen zu ergreifen, wenn ein Erfolg in den noch kleinen Beständen wahrscheinlich ist.
=> mehr zum Thema Neophyten
 
 
Artenhilfsmaßnahmen in Bahnanlagen
 
•   Magerstandorte: Nährstoffarme, extensiv gepflegte Begleitbiotope schaffen. Bahndämme und -böschungen entwickeln sich zu artenreichen Magerwiesen, wenn auf Humusierung und Düngung verzichtet wird. Je nährstoffärmer das Substrat, desto geringer auch der notwendige Pflegeaufwand.
=> mehr zum Thema Damm, Böschung, Wegrand
 
•   Trockenmauern: Trockenmauern an hangseitigen Böschungen bieten idealen Brandschutz und sind im Gegensatz zu kahlen Betonmauern durch ihre Fugen und Nischen wertvolle Biotopelemente für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten.
=> mehr zum Thema Trockenmauern und Steinhaufen
 
•   Artenschutz an Gebäuden: Bahnhofsgebäude lassen sich durch Nisthilfen oder Fassadenbegrünung ökologisch aufgewertet.
=> mehr zum Thema Artenschutz an Gebäuden
 
•   Stromtod vermeiden: Schutzmaßnahmen gegen den Stromtod von Vögel in den Oberleitungen sollten heute unverzichtbarer Standard sein.
=> mehr zum Thema Todesfalle Strommast
 
•   Kollisionen verhindern: Viele Wildtiere sterben durch die Kollision mit Zügen, darunter auch gefährdete Arten wie Uhu oder Seeadler. Die immer höheren Fahrgeschwindigkeiten verschärfen das Problem. An unfallträchtigen Strecken sind deshalb geeignete Maßnahmen zu treffen, um das Kollisionsrisiko zu verringern, indem die Bahnstrecken für die betroffenen Arten möglichst unattraktiv gestaltet werden.
 
•   Vogelschlag vermeiden: Durchsichtige Lärmschutzwände sind eine Gefahr für Vögel. Das Problem des Vogelschlags lässt sicht durch senkrechte, zwei Zentimeter breite Streifen im Abstand von zehn Zentimetern vermeiden.
=> mehr zum Thema Vogelschlag
 
•   Ingenieurbiologie: Rutschungsgefährdete Böschungen sind möglichst durch naturnahe, ingenieurbiologische Maßnahmen zu stabilisieren, wenn keine Trockenmauern errichtet werden.
 
•   Lebensraumfragmentierung vermindern: Ähnlich Straßen zerschneiden Bahnlinien die Landschaft. Wichtig ist deshalb eine sorgfältige Trassenwahl. Durch Wildtierpassagen lassen sich Barriereeffekte reduzieren.
=> mehr zum Thema Straßen und Wildtiere
 
 
Unterlagen / Links
 
U. Schwab (1994): Lebensraumtyp Dämme, Deiche, Eisenbahnstrecken. Landschaftspflegekonzept Bayern II.2, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), München, 199 S.
Schweizerische Bundesbahnen SBB AG, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) & Bundesamt für Verkehr (BAV) (2001): Vegetationskontrolle auf Bahnanlagen. Bern, 33 S., Download pdf (996 kb)
M. Burckhardt (2005): Gewässerschutz an Bahnanlagen. Emittierte Stoffe im Normalbetrieb der SBB sowie Grundlagen zu deren Umweltverhalten. Eawag, 110 S., Download auf Download pdf (1.915 kb)
M. Di Giulio & M. Nobis (2008): Landschaftszerschneidung und Biodiversität: Barrieren oder Ausbreitungswege? Forum für Wissen 2008: 23-30, Download pdf (271 kb)
R. Kilzer & J. Steu (1987): Natur an der Bahn. Erhaltung, Schutz und Pflege. Natur und Land 73 (2): 43-86
T. Schuh (2011): Neophyten. Nicht heimische Pflanzenarten auf Bahnanlagen. ÖBB-Infrastruktur AG, Wien, 63 S. Download pdf (4.197 kb)
U. Bollens (2005): Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs. Literaturreview und Empfehlungen für Bahnanlagen. Umwelt-Materialien 192, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern. 44 S., Download pdf (419 kb)
O. Schumacher (Hrsg.) (2009): Nachhaltigkeitsbericht 2009. Deutsche Bahn AG, Berlin, 197 S., Download auf www.deutschebahn.com
T. G. Carpenter (1994): The Environmental Impact of Railways. John Wiley & Sons, 394 S.
 
 
letzte Änderung Dezember 2010, © UMG
 
   

 
 
Eisenbahnlinien
Natur am Bahndamm
 
Die Bahn zählt zu den umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Im Vergleich zum Auto oder Flugzeug sind die Schadstoffemissionen pro Reisekilometer deutlich geringer. Ähnliches gilt für den Flächenverbrauch für Verkehrsinfrastrukturen. Wie bei Straßen ist aber auch der Bau von Bahnlinien mit Eingriffen in die Natur verbunden.
Andererseits können Bahndämme und Bahnhöfe für manch seltene Pflanzen- und Tierart zu wichtigen Ersatzlebensräumen werden, wenn sie entsprechend gestaltet und gepflegt werden.
 
 
Bahnlinien und Landschaft
 
•   Landschaftsbild: Die Wirkung von Bahnstrecken auf das Landschaftsbild ist abhängig vom betroffenen Landschaftstyp. In gehölzarmen Talböden verändern Bahnlinien das Landschaftsbild meist weniger gravierend als in hügeligem Gelände, wo Dämme, Geländeeinschnitte, Bermen, hohe Steinmauern, Viadukte und Tunnelportale auffallend und Landschaft prägend werden.
=> mehr zum Thema Landschaftsästhetik
 
•   Linienförmiger Verlauf: In Stadt- und Industrielandschaften können Bahnstrecken neben Fließgewässern als durchgehende Biotopkorridore Bedeutung erlangen, die von vielen Arten als Ausbreitungs- und Wanderwege genutzt werden. In der freien Landschaft dagegen wirken Bahnlinien Landschaft zerschneidend – besonders dann, wenn sie durchgehend von Lärmschutzwänden begleitet werden.
=> mehr zum Thema Landschaftszerschneidung
 
 
Ökologische Eigenschaften von Bahntrassen
 
•   Hitze und Trockenheit: Gleiskörper sind extreme Lebensräume, die der vollen Sonneinstrahlung ausgesetzt sind und sich stark erwärmen. Die hohe Wasserdurchlässigkeit lässt Niederschläge rasch versickern. Selbst Wärme liebende Tierarten ziehen sich im Sommer in den Mittagsstunden in das Hohlraumsystem des Schotterkörpers zurück oder suchen in der Umgebung Schutz vor der Hitze.
 
•   Extensiv gepflegte Begleitflächen: Gleisanlagen sind meist von Böschungen, Dämmen und Begleitstreifen gesäumt. In Waldgebieten grenzen mehr oder weniger stark mit Sträuchern bewachsene Offenlandlebensräume an, weil diese als Feuerschutzstreifen offen gehalten werden bzw umstürzende Bäume oder herab fallende Äste eine Gefahr darstellen würden.
 
•   Herbizideinsatz: Regelmäßige Eingriffe zur Freihaltung der Gleiskörper von Bewuchs erfolgen meist durch Herbizide.
 
•   Windturbulenzen: Windturbulenzen durch den Zugverkehr begünstigen die Verfrachtung von Samen und Früchten und damit die Ausbreitung von Pflanzen. Dies gilt nicht nur für heimische, sondern auch für eingeschleppte Arten, so genannte Neophyten.
 
•   Lärm und Erschütterungen: Das Ausmaß der Emissionen ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, beispielsweise von der Fahrgeschwindigkeit, der Zugtechnik oder dem Zustand der Gleisanlagen.
 
•   Betriebsemissionen: Stäube aus abgeriebenen Metallteilchen, Zugabwässer und Müll gelangen in angrenzende Flächen.
 
 
Bahnanlagen als Lebensräume
 
•   Brachflächen: Im Bereich von Bahnhöfen finden sich of wenig genutzte Abstell- und Rangierflächen, die Ruderalarten und anderen spezialisierten Arten Lebensraum bieten. Auch stillgelegte Bahnareale beherbergen oft seltene Tier- und Pflanzenarten.
 
•   Rohböden: Pioniergesellschaften können auf den humusarmen Rohböden im Gleisbereich viele Jahre existieren. Manchmal verhindert Herbizideinsatz eine Verdrängung durch kräftigere, ausdauernde Arten.
 
•   Mechanisch beanspruchte Böden: Trittpflanzengesellschaften besiedeln mechanisch belastete und verdichtete Böden, vor allem häufig begangene oder befahrene Standorte an Bahnhöfen und Bahnübergänge.
 
•   Magerstandorte: Ausdauernde Pflanzengesellschaften besiedeln weniger stark bzw weniger häufig gestörte Flächen mit einem höheren Feinerdeanteil; das Spektrum reicht von Ruderalfluren auf stillgelegten Streckenabschnitten bis zu Magerwiesen auf nährstoffarmen Böschungen und Dämmen.
 
•   Trockenstandorte: Für Wärme liebende Tierarten, insbesondere verschiedene Reptilien und Insekten sind Eisenbahngelände ideale Sekundärlebensräume, wo sie in den lückig bewachsenen Kies- und Schotterflächen an sonnigen Tagen bereits zeitig im Frühjahr und auch spät im Herbst ihre volle Aktivität entfalten können. Gleichzeitig finden sie zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten in den Hohlräumen. Zu den regelmäßigen Bewohnern von Bahnanlagen zählen beispielsweise Zauneidechse, Mauereidechse und Schlingnatter. Blütenreiche Randstreifen werden von Nektar saugenden Insekten genutzt.
 
 
Rücksicht bei Pflegemaßnahmen
 
Art und Zeitpunkt der Pflege sind für die Vorkommen anspruchsvoller Arten entscheidend. Teilweise widersprechen sich die Entwicklungsziele, zB extensive Mahd versus natürliche Sukzession. Die Pflegemaßnahmen sind daher auf die jeweiligen Zielarten abzustimmen; dies sind im Wesentlichen seltene und für den Naturraum charakteristische Pflanzen und Tiere.
 
•   Natürliche Sukzession: Wenn nicht (mehr) benötigte Rand- und Nebenflächen einer natürlichen Entwicklung überlassen werden, profitieren unterschiedliche Artengruppen von den unterschiedlichen Sukzessionsstadien. Die meisten Standorte entwickeln sich früher oder später zu Wald.
=> mehr zum Thema Ruderalflächen
 
•   Abgestufte Pflege: Problematisch ist die großflächige und gleichförmige Pflege der Bahnbegleitflächen, die vielen Tieren schlagartig den Lebensraum oder die Nahrungsbasis entzieht. Eine zeitliche und räumliche Staffelung der Pflegemaßnahmen erhält dagegen unterschiedliche Vegetationsstadien und -strukturen.
 
•   Strukturvielfalt: Kleingehölze, Stein- oder Asthaufen schaffen Versteckmöglichkeiten und fördern die Lebensraumvielfalt. Anspruchsvolle Reptilien wie die Schlingnatter sind auf kleinem Raum auf Eiablagestellen, Sonnplätze, Verstecke, Jagdgebiete und Überwinterungsquartiere angewiesen. Für sie sind beispielsweise südexponierte Bahndamm- böschungen mit mosaikartig verteilten Gehölzgruppen und verstreuten sandigen oder steinigen Bodenstellen ideal.
=> mehr zum Thema Reptilien schützen
 
•   Kein Abbrennen und Mulchen. Begleitflächen sind möglichst durch Mahd und Abtransport des Mähgutes zu pflegen.
 
•   Tierschonende Mähtechnik: Wichtig ist der Einsatz tierfreundlicher Mähtechniken, vor allem von Balkenmähgeräten.
=> mehr zum Thema Tierschonende Mahd
 
•   Mangelbiotope erhalten. Seltene Lebensräume ("Mangelbiotope") wie Feuchtstellen oder Kleingewässer fördern.
 
•   Pflegezeitpunkt beachten. Auf seltene Arten ist Rücksicht zu nehmen. Auch ein Gehölzrückschnitt darf nicht während der Brutzeit der Vögel erfolgen. Gehölzpflegemaßnahmen sind möglichst abschnittsweise und gestaffelt durchzuführen.
 
•   Herbizideinsatz beschränken: Der Einsatz von Herbiziden auf Gleisanlagen ist auf das notwendige Minimum zu beschränken. Die eingesetzten Mittel sind sorgfältig auszuwählen und sollten nur bei trocknem Wetter eingesetzt werden, um eine Belastung von Böden und Gewässern zu verhindern. In der Zeit des stärksten Vegetationswachstums wirken Herbizide am effizientesten.
 
•   Neophyten regulieren: Bahnlinien sind häufig Lebensräume und Ausbreitungswege für Neophyten. Siedeln sich problematische Arten an, sind möglichst rasch geeignete Pflegemaßnahmen zu ergreifen, wenn ein Erfolg in den noch kleinen Beständen wahrscheinlich ist.
=> mehr zum Thema Neophyten
 
 
Artenhilfsmaßnahmen in Bahnanlagen
 
•   Magerstandorte: Nährstoffarme, extensiv gepflegte Begleitbiotope schaffen. Bahndämme und -böschungen entwickeln sich zu artenreichen Magerwiesen, wenn auf Humusierung und Düngung verzichtet wird. Je nährstoffärmer das Substrat, desto geringer auch der notwendige Pflegeaufwand.
=> mehr zum Thema Damm, Böschung, Wegrand
 
•   Trockenmauern: Trockenmauern an hangseitigen Böschungen bieten idealen Brandschutz und sind im Gegensatz zu kahlen Betonmauern durch ihre Fugen und Nischen wertvolle Biotopelemente für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten.
=> mehr zum Thema Trockenmauern und Steinhaufen
 
•   Artenschutz an Gebäuden: Bahnhofsgebäude lassen sich durch Nisthilfen oder Fassadenbegrünung ökologisch aufgewertet.
=> mehr zum Thema Artenschutz an Gebäuden
 
•   Stromtod vermeiden: Schutzmaßnahmen gegen den Stromtod von Vögel in den Oberleitungen sollten heute unverzichtbarer Standard sein.
=> mehr zum Thema Todesfalle Strommast
 
•   Kollisionen verhindern: Viele Wildtiere sterben durch die Kollision mit Zügen, darunter auch gefährdete Arten wie Uhu oder Seeadler. Die immer höheren Fahrgeschwindigkeiten verschärfen das Problem. An unfallträchtigen Strecken sind deshalb geeignete Maßnahmen zu treffen, um das Kollisionsrisiko zu verringern, indem die Bahnstrecken für die betroffenen Arten möglichst unattraktiv gestaltet werden.
 
•   Vogelschlag vermeiden: Durchsichtige Lärmschutzwände sind eine Gefahr für Vögel. Das Problem des Vogelschlags lässt sicht durch senkrechte, zwei Zentimeter breite Streifen im Abstand von zehn Zentimetern vermeiden.
=> mehr zum Thema Vogelschlag
 
•   Ingenieurbiologie: Rutschungsgefährdete Böschungen sind möglichst durch naturnahe, ingenieurbiologische Maßnahmen zu stabilisieren, wenn keine Trockenmauern errichtet werden.
 
•   Lebensraumfragmentierung vermindern: Ähnlich Straßen zerschneiden Bahnlinien die Landschaft. Wichtig ist deshalb eine sorgfältige Trassenwahl. Durch Wildtierpassagen lassen sich Barriereeffekte reduzieren.
=> mehr zum Thema Straßen und Wildtiere
 
 
Unterlagen / Links
 
U. Schwab (1994): Lebensraumtyp Dämme, Deiche, Eisenbahnstrecken. Landschaftspflegekonzept Bayern II.2, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), München, 199 S.
Schweizerische Bundesbahnen SBB AG, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) & Bundesamt für Verkehr (BAV) (2001): Vegetationskontrolle auf Bahnanlagen. Bern, 33 S., Download pdf (996 kb)
M. Burckhardt (2005): Gewässerschutz an Bahnanlagen. Emittierte Stoffe im Normalbetrieb der SBB sowie Grundlagen zu deren Umweltverhalten. Eawag, 110 S., Download auf Download pdf (1.915 kb)
M. Di Giulio & M. Nobis (2008): Landschaftszerschneidung und Biodiversität: Barrieren oder Ausbreitungswege? Forum für Wissen 2008: 23-30, Download pdf (271 kb)
R. Kilzer & J. Steu (1987): Natur an der Bahn. Erhaltung, Schutz und Pflege. Natur und Land 73 (2): 43-86
T. Schuh (2011): Neophyten. Nicht heimische Pflanzenarten auf Bahnanlagen. ÖBB-Infrastruktur AG, Wien, 63 S. Download pdf (4.197 kb)
U. Bollens (2005): Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs. Literaturreview und Empfehlungen für Bahnanlagen. Umwelt-Materialien 192, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern. 44 S., Download pdf (419 kb)
O. Schumacher (Hrsg.) (2009): Nachhaltigkeitsbericht 2009. Deutsche Bahn AG, Berlin, 197 S., Download auf www.deutschebahn.com
T. G. Carpenter (1994): The Environmental Impact of Railways. John Wiley & Sons, 394 S.  
 

 


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www.naturtipps.com/bahn.html
Stand Dezember 2010